Wem nützt die Drohne von Leipzig?
Scott Ritter hält die offizielle Darstellung des Drohnenvorfalls von Leipzig für wenig plausibel. Der ehemalige US-Marine- und Geheimdienst-Offizier fragt nach Technik, Sprengstoff, Steuerung und vor allem nach dem Motiv: Warum sollte Russland eine primitive, offenbar unterdimensionierte Drohne einsetzen? Im Gespräch geht es um die Frage, wem der Vorfall politisch nützen könnte, um Nord Stream und um Ritters grundsätzliche Kritik an der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Mit ihm sprach MORITZ ENDERS.
HINTERGRUND Anfang August wurde eine Drohne am Leipziger Flughafen gefunden, die angeblich russischen Ursprungs war. Als Konsequenz daraus schloss die Bundesregierung das Russische Haus in Berlin und das russische Generalkonsulat in Bonn. Aber sprechen wir zunächst einmal über den Vorfall selbst. Wie schätzen Sie ihn ein?
SCOTT RITTER Nun, ich weiß wirklich nicht mehr als das, was öffentlich bekannt ist. Demnach hat, glaube ich, ein Busfahrer eine Drohne gesehen, die schwankend über dem Boden schwebte. Der Mann sei aus seinem Fahrzeug gestiegen und habe die Drohne zu Boden getreten. Dann hat man das Ding untersucht und festgestellt – oder meint, festgestellt zu haben –, dass es sich um eine russische Drohne mit hochexplosivem Sprengstoff handelte, die sich anschickte, den Leipziger Flughafen anzugreifen.
Wenn man dann aber über die technischen Details von Drohnen nachdenkt, so bekommt man den Eindruck, dass diese Drohne auf groteske Weise untermotorisiert gewesen ist. Der Grund, warum sie nicht an Höhe gewinnen konnte, ist wohl das Paket, das an ihr hing – und ich weiß noch nicht einmal, ob es sich dabei um echten Sprengstoff handelte. Eine forensische Analyse wurde uns noch nicht vorgelegt. Handelte es sich also um einen inerten [= inaktives, nicht detonationsfähiges Material, A. d. R.] oder um scharfen Sprengstoff? Wenn es echter Sprengstoff war, gab es einen Zündmechanismus? Hätte es tatsächlich »Bumm« machen können? Ich glaube, die Antwort lautet Nein, denn der Mann ist hingegangen und hat dagegengetreten. Das Ding ist nicht explodiert. Und wir haben noch keine Beweise bezüglich des Zündmechanismus, der Art und der Menge des Sprengstoffs gesehen.