Weltpolitik

US-Sicherheitsstrategie: Alter Wein in neuen Schläuchen

Es kann nur einen geben! »Quem deus vult perdere dementat prius.« (Wen Gott vernichten will, den macht er zuerst wahnsinnig.) Andererseits: Wer verrückt ist, bemerkt auch den Ruin nicht mehr.

VON PETRA ERLER


Am 7. Dezember 2025 kommentierte das Magazin Der Spiegel die neue Nationale Sicherheitsstrategie der USA wie folgt: »Wie schön für Putin: Europa von den USA abspalten – läuft. Europa spalten – läuft. Die liberalen Regierungen diskreditieren – läuft, alles im Einklang mit Trump. Sein Lachen, das sind die Alarmglocken für das liberale Europa.«[1]

Offenbar fiel den »Putin-Verstehern« im Spiegel nichts Besseres ein. Wer weiß, ob der Oberteufel Putin überhaupt lacht. Lachen ist ein sehr menschlicher Wesenszug. Aber Spaß beiseite.

Der deutsche Bundeskanzler sagte zur neuen US-Strategie unter anderem: »Ihr [USA] braucht auf der Welt auch Partner, und einer der Partner kann Europa sein, und wenn Ihr mit Europa nix anfangen könnt, dann macht wenigstens Deutschland zu Eurem Partner«.[2]

Ausnahmsweise teile ich die Einschätzung des Spiegel, dass die Glocken unüberhörbar Alarm schlagen. Ganz sicher, was die geistige Gesundheit angeht.

Was die USA in Gestalt ihrer neuen Nationalen Sicherheitsstrategie vorlegten, ist eine atemberaubende Dokumentation ihres Machtanspruchs. Geschrieben in einfacher Sprache, teilweise wolkig formuliert, steht doch unmissverständlich fest: Die Regeln, denen die USA angeblich folgen wollen, gelten allenfalls für andere und sind im Übrigen reine Auslegungssache. Mit dieser Strategie legt die Administration von US-Präsident Donald Trump einen intelligent gemachten und gleichzeitig durchaus heuchlerischen Neuaufguss dessen vor, was US-Politik nach 1990 erklärtermaßen immer war: Es kann nur ein Imperium geben.

Was die Trump-Administration jedoch klar erkennt: Die USA können im Augenblick nicht mehr, wie sie wollen. Weder national noch international. Sie brauchen eine Atempause zur Konsolidierung. Und sie brauchen »Lastenteilung«. Der US-Hegemonieanspruch bleibt bestehen.

Die Strategie enthält eindeutig die selbstbewusste Ansage: Wir waren die Besten. Wir bleiben die Besten, die Wichtigsten, die militärisch Überlegenen. Nun wird nur noch deutlicher, was schon in der ersten Trump-Präsidentschaft aufschien: Die Maske des wohlwollenden Hegemons ist gefallen. Da ist keine Eloquenz à la Obama, keine großväterliche Tattrigkeit à la Biden. Die ganze hässliche Fratze des Imperiums liegt bloß: Ein Imperium hat keine Freunde. Es hat Interessen. Die haben immer Vorrang. Um sich selbst zu retten, wird es zu zerstören suchen, wen und was es kann.

Kurzum, das US-Imperium tritt nicht kampflos ab oder zieht sich isolationistisch aus der Welt zurück. Die Frage ist nicht einmal offen, wen es zwecks Eigenrettung zum Fleddern auserkoren hat. Alle, allen voran die europäischen Vasallen, vornehm auch »Alliierte« genannt. Damit hinreichend viel zum Fleddern übrig bleibt, müssen diese jedoch zur Besinnung kommen.

Normalerweise müsste der Spiegel fragen: Wie bitte? Ihr, die USA, habt uns über Jahre in den Russenhass getrieben, in die selbstmörderische Politik von Russland-Sanktionen und der Unterstützung eures Stellvertreterkrieges in der Ukraine – und nun, da dieser den Bach runtergeht, habt ihr mit allem gar nichts mehr zu tun, feiert eure Energieunabhängigkeit als ein Standbein globaler Machtausübung und mokiert euch auch noch darüber, dass deutsche Unternehmen wegen der hohen Energiepreise nunmehr in China investieren?

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