Testfall Venezuela: Trumps Strategie für eine multipolare Welt
Mit einer nachdrücklichen Machtdemonstration des US-Imperialismus gegenüber dem Rest der Welt zeigte US-Präsident Donald Trump, dass es ihm nicht um »Isolationismus« geht.
VON PETER GÄRTNER
Am 3. Januar 2026, wenige Minuten vor zwei Uhr nachts, griffen die USA die venezolanische Hauptstadt Caracas und drei Bundesstaaten des Landes an und entführten Nicolás Maduro, den Präsidenten des Landes, sowie dessen Ehefrau Cilia Flores. Beim Bombardement von Militäreinrichtungen und Wohngebieten kamen laut US-Präsident Donald Trump 150 Flugzeuge und Hubschrauber zum Einsatz. Auf venezolanischer Seite waren ca. 100 Todesopfer zu beklagen, darunter 32 Kubaner, die zu den Sicherheitskräften Maduros gehörten, während die Angreifer nach eigenen Angaben keine Toten zu beklagen hatten. Nach Darstellung des Weißen Hauses handelte es sich um eine kombinierte Aktion von Militär, Geheimdiensten und Strafverfolgungsbehörden, um Nicolás Maduro wegen »Drogenterrorismus« in New York vor Gericht zu stellen. Zugleich machte Donald Trump in seinem Live-TV-Auftritt am 3. Januar klar, dass es ihm bei dieser Aktion um den Zugriff auf das venezolanische Öl und andere Ressourcen des rohstoffreichen Landes ging. Künftig wolle er die politischen Geschicke des südamerikanischen Landes bestimmen und berief sich dabei auf die Monroe-Doktrin.[1]
Erste Reaktionen
Die offiziellen Reaktionen zeigen ein widersprüchliches Bild. Einerseits wird die US-Aktion von einer überwältigenden Mehrheit der Länder als offener Völkerrechtsbruch verurteilt. Nur Trump-Getreue wie der argentinische Präsident Javier Milei begrüßen dessen Vorgehen. Bundeskanzler Friedrich Merz drückt sich ebenso wie die EU-Spitzen um eine eindeutige Stellungnahme. Gemessen an der Dreistigkeit und Reichweite des Rechtsbruchs fallen die Proteste andererseits eher verhalten aus. Innerhalb Lateinamerikas begrüßen die Regierungen Argentiniens, Ecuadors, Paraguays, Costa Ricas, El Salvadors und der Dominikanischen Republik die Entführung Maduros, während in Kuba, Kolumbien, Mexiko und Brasilien die Alarmglocken schrillen. Die Verurteilung des Völkerrechtsbruchs durch die CELAC ist an der Verweigerung von 10 der 33 Mitgliedsländer gescheitert.
In Hinblick auf den Verlauf der Entführung des venezolanischen Staatsoberhauptes machen Gerüchte und Spekulationen die Runde. Viele Beobachter und Analysten gehen davon aus, dass der Erfolg der Operation nur durch Verrat innerhalb des engsten Kreises um Maduro möglich gewesen sei. Vieles spricht dafür, dass Teile der Präsidentengarde den US-Spezialkräften den Weg ins Innere der schwer bewachten Militärbasis geebnet haben, in der sich Maduro und seine Frau zuletzt aufhielten. Auch der Umstand, dass die venezolanische Luftabwehr weitgehend versagt hat, wirft viele Fragen auf. In Venezuela hat inzwischen die Vizepräsidentin Delcy Rodríguez gemäß der Verfassung für die Zeit der Abwesenheit Maduros das Amt des Staatspräsidenten übernommen. Die Bevölkerung solidarisiert sich mit der Regierung, die unverändert ihre Funktionen und Aufgaben erfüllt. Der Ausnahmezustand besteht weiter, und Militär wie Milizen haben ihre Bereitschaft bekundet, die Unabhängigkeit und Souveränität ihres Landes gegen alle kommenden US-Angriffe zu verteidigen. Inzwischen zieht Trump den Blockadering um Venezuela enger und macht Jagd auf Öltanker, die im Verdacht stehen, venezolanisches Öl zu transportieren. Dass auch diese Akte offener Piraterie internationales Recht brechen, kümmert ihn wenig. Auch wenn das Vorgehen der USA gegenüber Lateinamerika von Anfang an durch Interventionen, Staatsstreiche und Embargos gekennzeichnet ist, unterscheidet sich die »Donroe-Doktrin«, wie die New York Post vom 8. Januar 2025 die Trumpsche Variante der Monroe-Doktrin bezeichnet hatte, in mehrfacher Hinsicht von der Hegemonialpolitik seiner Vorgänger. Ihre inhaltliche Bestimmung liefert nicht nur den Schlüssel für die Bewertung der jüngsten Angriffe auf Venezuela, sondern öffnet auch den Zugang für deren Einordnung in den geopolitischen Strategiewechsel, mit dem Trump die Vormachtstellung der USA in einer multipolaren Welt durchsetzen will.
Trumps Nationale Sicherheitsstrategie
Wenn man die Ende November 2025 veröffentlichte National Security Strategy (NSS 2025)[2] liest, dann fällt zunächst die ungewohnte Offenheit auf, mit der Donald Trump seine geopolitischen und geoökonomischen Interessen und Ziele benennt. In allen relevanten Belangen sollen die USA dominant sein. »America first!« soll für die Streitkräfte, die nukleare Abschreckung, die Wirtschaft und deren industrielle Basis, den Energie- und Finanzsektor sowie – man höre und staune – sogar für die »unvergleichliche ›soft power‹« gelten (NSS 2025, S. 3–4). »Das Ziel dieser Strategie besteht darin, all diese weltweit führenden Ressourcen und andere miteinander zu verbinden, um die Macht und Vorrangstellung [engl. preeminence] Amerikas zu stärken und unser Land noch größer zu machen als je zuvor.« (ebenda, S. 7). Der ausdrückliche Verzicht auf den »Globalismus« (ebenda, S. 1, 12) zeigt sich in der Neuordnung der regionalen Prioritäten der US-amerikanischen Geopolitik. An erster Stelle steht die westliche Hemisphäre, das heißt die gesamte Landmasse von Grönland im Norden bis Feuerland im Süden. Wörtlich heißt es:
Donald Trump»Nach Jahren der Vernachlässigung werden die Vereinigten Staaten die Monroe-Doktrin wieder geltend machen und durchsetzen, um die Vorrangstellung Amerikas in der westlichen Hemisphäre wiederherzustellen und unser Heimatland sowie unseren Zugang zu wichtigen geografischen Gebieten in der gesamten Region zu schützen. Wir werden Wettbewerbern außerhalb der Hemisphäre die Möglichkeit verweigern, Streitkräfte oder andere bedrohliche Kapazitäten in unserer Hemisphäre zu positionieren oder strategisch wichtige Vermögenswerte zu besitzen oder zu kontrollieren. Diese ›Trump-Ergänzung‹ (engl. Trump Corrollary) zur Monroe-Doktrin ist eine vernünftige und wirksame Wiederherstellung der amerikanischen Macht und Prioritäten, die mit den amerikanischen Sicherheitsinteressen im Einklang steht.« (ebenda, S. 15; weiter dazu bis S. 19).
In Asien will Trump »Führung aus einer Position der Stärke« erlangen, um so »die wirtschaftliche Zukunft zu gewinnen«, gleichzeitig aber »militärische Konfrontationen verhindern« (ebenda, S. 19). Dabei liegt der geopolitische Fokus auf Taiwan – »idealerweise durch die Aufrechterhaltung der militärischen Überlegenheit« (ebenda, S. 23). Dass diese Strategie auf die Quadratur des Kreises hinausläuft, macht der letzte Absatz des Abschnitts zu Asien deutlich: »Die Verhinderung von Konflikten erfordert eine wachsame Haltung im indopazifischen Raum, eine erneuerte industrielle Verteidigungsbasis, größere militärische Investitionen von uns selbst und von Verbündeten und Partnern sowie den langfristigen Sieg im wirtschaftlichen und technologischen Wettbewerb.« (ebenda, S. 24) Erst an dritter Stelle äußert sich die NSS 2025 zu Europa (ebenda, S. 25–27). Die »rasche Beendigung der Feindseligkeiten in der Ukraine« soll dazu dienen, die »strategische Stabilität mit Russland wiederherzustellen« (ebenda, S. 25). Zugleich wird der Niedergang Europas konstatiert, wobei die EU als »Problem Europas« bezeichnet wird. Wenn »Europa europäisch bleiben« wolle, müsse es »seinen derzeitigen Kurs korrigieren«. Der »wachsende Einfluss patriotischer europäischer Parteien« gebe »Anlass zu großem Optimismus«, und außerdem könne Europa mit Trumps Hilfe rechnen: »Wir wollen mit gleichgesinnten Ländern zusammenarbeiten, die ihre frühere Größe wiederherstellen wollen.« (ebenda, S. 25–26) Der Erweiterung der NATO wird eine Absage erteilt (ebenda, S. 27). Die Strategie gegenüber dem Nahen Osten soll künftig auf zwei Prämissen beruhen. Da sich die Energieversorgung stark diversifiziert hat und die USA Nettoenergieexporteur geworden sind, genießt die Region einerseits nicht mehr jene vorrangige Stellung wie in den letzten 50 Jahren; andererseits wird Amerika »immer ein grundlegendes Interesse daran haben, sicherzustellen, dass die Energievorräte am Golf nicht in die Hände eines erklärten Feindes fallen, dass die Straße von Hormus offen bleibt, dass das Rote Meer befahrbar bleibt, dass die Region kein Nährboden oder Exporteur von Terror gegen amerikanische Interessen oder das amerikanische Heimatland wird und dass Israel sicher bleibt. Wir können und müssen dieser Bedrohung ideologisch und militärisch begegnen.« (ebenda, S. 28) In Afrika verzichtet die Trump-Administration darauf, die »liberale Ideologie zu vermitteln«, und strebt stattdessen »Partnerschaften mit ausgewählten Ländern« an, um Konflikte zu entschärfen und die reichhalten Naturressourcen und das latente Wirtschaftspotenzial der Region zu nutzen (ebenda, S. 29).
»Ehrlicher Imperialismus« und »Recht des Stärkeren« – Was ist neu?
Nicht wenige Kommentare der jüngsten Ereignisse in und um Venezuela verweisen darauf, dass Trumps Agieren zwar vor Rücksichtslosigkeit und Zynismus strotze, sehen darin aber auch – im Unterschied zur Heuchelei der wertebasierten Ordnung – einen »ehrlichen Imperialismus«[3], wie es Renate Dillmann nennt. Diese »Ehrlichkeit« besteht vor allem darin, dass Trump bei der Durchsetzung seiner Ziele vor allem auf Stärke setzt, denn »Stärke ist die beste Abschreckung«[4]. Diese Offenheit mag zwar im Vergleich zum »liberalen Internationalismus« eines Barack Obama oder dem transatlantischen Wertebündnis der EU neu erscheinen, ist jedoch mit Blick auf die Interventionspolitik des »big stick« eines Teddy Roosevelts und dessen Corrollary zur Monroe-Doktrin von 1904 ein Déjà-vu. Diese »Hinwendung zur Frühzeit des Imperialismus, mithin zum (als überwunden geglaubten) brachialen Militarismus« geht einher mit dem »endgültige(n) Abschied von der ›Welt von gestern‹, der sich in der Digital- und KI-Revolution mit all ihren Auswirkungen und ambivalenten Zukunftsszenarien, einschließlich der finalen Lossagung vom Geist der klassischen Aufklärung, vollzieht«[5], so Moshe Zuckermann. In diesem Sinne widerspiegelt Trump tatsächlich das Neue des jetzigen Weltzustands.
Wie passen nun der Überfall auf Venezuela und die Entführung von Nicolás Maduro in diesen Weltzustand? Zum Ersten ist die enge zeitliche und symbolische Verbindung mit der neuen NSS evident. Indem Trump das südamerikanische Land zum Testfall gemacht hat, signalisiert er der ganzen Welt den neuen, zentralen Stellenwert, den die westliche Hemisphäre nunmehr im Kampf der USA um die Aufrechterhaltung beziehungsweise Wiederherstellung ihrer Dominanz innerhalb der kommenden Weltordnung genießt. Jorge Heine, Buchautor und ehemaliger Botschafter Chiles in Südafrika (1994–1999), Indien (2003–2007) und China (2014–2017), hat sich in einem Gespräch mit dem norwegischen Politikwissenschaftler Glenn Diesen, das am 8. Januar 2026 auf dessen Kanal geführt wurde, dazu wie folgt geäußert:
»In der langen Geschichte der Beziehungen zwischen den USA und Lateinamerika hat es natürlich viele Formen von US-Interventionen in der gesamten Region gegeben. Aber was am Samstag in Venezuela passiert ist, stellt wirklich einen Wendepunkt dar. Warum sage ich das? Zum ersten Mal haben wir einen US-Militärangriff auf das südamerikanische Festland erlebt. Solche Aktionen hatten wir zuvor in Mexiko, Mittelamerika und der Karibik gesehen, aber nicht auf dem südamerikanischen Festland. Damit wurde eine Schwelle überschritten, und wir befinden uns nun in unbekanntem Terrain. Und ohne zu zögern warnte Präsident Trump auf der Pressekonferenz am Samstag Kolumbien und Mexiko, dass sie die Nächsten sein könnten. Außenminister Rubio wiederum warnte Kuba, vorsichtig zu sein. Das ist also kein einmaliges Ereignis, wie zum Beispiel die US-Invasion in Panama im Jahr 1989. Das könnte der Beginn von etwas anderem sein. […] Es geht darum, Lateinamerika zu unterwerfen – seine Ressourcen auszubeuten, seine Bevölkerung und seine Regierungen zu beherrschen und es im Grunde unter die Kontrolle der USA zu bringen.«[6]
Neu ist zweitens die welthistorische Konstellation, in der die USA ihren Anspruch als Ordnungsmacht der westlichen Hemisphäre verkünden. Was zunächst als Rückkehr zum traditionellen Imperialismus von 1898 erscheint, als die Vereinigten Staaten im Krieg gegen Spanien ihre unangefochtene Hegemonie in Lateinamerika durchsetzten, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Umkehrung. Während die USA damals ihren Aufstieg zur Weltmacht vollzogen, kämpft Trump heute mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln gegen den Abstieg. Erschwerend kommt hinzu, dass der Hauptrivale China innerhalb der letzten zehn Jahre zum wichtigsten Handelspartner Südamerikas avanciert ist. Auch Russlands Einfluss in Lateinamerika, der sich nicht zuletzt auf militärischem Gebiet zeigt, hat in letzter Zeit zugenommen. Brasilien, das größte und wichtigste Land der Region, gehört wie die beiden eurasischen Weltmächte zu den Gründungsmitgliedern der BRICs. Auf dem vorletzten BRICS-Gipfel im Oktober 2024 in Kasan wurden außerdem Bolivien und Kuba als Partnerländer aufgenommen. In der Auseinandersetzung zwischen den BRICS einerseits und den USA andererseits geht es letztlich darum, nach welchen Regeln die multipolare Welt künftig gestaltet werden soll. Während Trump auf das Recht des Stärkeren setzt, versuchen die Länder des globalen Südens, eine Weltordnung der Kooperation und des Friedens aufzubauen. Um zu verstehen, welchen Platz die westliche Hemisphäre in diesem Ringen einnimmt, liefert der Testfall Venezuela entscheidende Anhaltspunkte. Dies führt uns zur dritten Bedeutung des Angriffs der USA auf Venezuela.
Warum Venezuela?
Das südamerikanische Land ist aus vier Gründen ein Schlüsselfaktor im Kampf um die neue Weltordnung und um den Platz, den Lateinamerika in dieser einnehmen wird. An erster Stelle ist die konsequente anti-imperialistische Ausrichtung des Landes zu nennen. Unter dem Banner der Bolivarischen Revolution wurden während der Präsidentschaft von Hugo Chávez (1999–2013) die politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Verhältnisse grundlegend umgestaltet. Nach dessen Tod ist Venezuela in schweres Fahrwasser geraten. Unter dem Druck der USA, die bis zum 3. Januar 2026 alles – außer der direkten militärischen Intervention – versucht hatten, das Land in ihren Einflussbereich zurückzuholen, aber auch infolge eigener Fehler und Defizite geriet das Land in eine tiefe Krise, die ihren sichtbaren Ausdruck im Einbruch des Erdölexports und in der Auswanderung von sechs Millionen Menschen fand. Bereits in seiner ersten Amtszeit (2017–2021) hatte Trump mehrfach versucht, in Caracas einen Regime Change zu inszenieren, was jedoch scheiterte. Ausgehend vom zentralen Platz, den die westliche Hemisphäre in seiner NSS einnimmt, erlangt die Zerschlagung des Chavismo in Venezuela oberste Priorität.
Zweitens ist die anti-imperialistische Ausrichtung Venezuelas für China und Russland ein entscheidender – wenn nicht gar der entscheidende – Faktor für die Ausweitung ihrer Unterstützung des südamerikanischen Landes. Für beide eurasischen Weltmächte ist Venezuela der wichtigste Bündnispartner in der westlichen Hemisphäre. Im Umkehrschluss avanciert das Land damit zum Hauptgegner Washingtons. Der dritte Grund für die zentrale Bedeutung Venezuelas ist dessen Reichtum an natürlichen Ressourcen – für Trump wiederum ein wichtiger Anreiz, sich diese unter den Nagel zu reißen. Allein die Tatsache, dass Venezuela über die größten Erdölreserven der Welt verfügt, dürfte für ihn Ansporn gewesen sein, den Angriff vom 3. Januar zu starten. Die drei genannten Faktoren führen zu der Schlussfolgerung, dass Venezuela viertens eine Schlüsselrolle im regionalen Kräfteverhältnis einnimmt. In der westlichen Hemisphäre, die in der NSS von Donald Trump als eigener »Großraum« beansprucht wird, ist Venezuela der entscheidende Austragungsort des Kräftemessens um die künftige Weltordnung. Sollte Venezuela fallen, würde mit Lateinamerika ein geostrategisch wichtiger Teil des globalen Südens unter die Fuchtel Washingtons geraten, was wiederum den Aussichten auf eine multipolare Weltordnung der Kooperation und des Friedens einen schweren Schlag versetzen würde.
In diesem Sinne ist der Angriff vom 3. Januar 2026 eine nachdrückliche Machtdemonstration des US-Imperialismus gegenüber dem Rest der Welt. Er ist zugleich ein Weckruf für alle Kräfte, die für eine friedliche Weltordnung eintreten. Der chavistischen Bewegung in Venezuela steht ihre entscheidende Feuerprobe noch bevor. Angesichts dessen, dass Russland und China aus guten Gründen eine direkte militärische Auseinandersetzung mit den USA in deren eigenem »Hinterhof« ausschließen, kann Venezuela in seinem Kampf gegen den US-Imperialismus nur durch internationale Solidarität und innere Geschlossenheit bestehen. Die Ausgangsbasis dafür ist gegeben. Auch wenn Trump großspurig behauptet, die Kontrolle über Venezuela zu besitzen, belegt die Realität das Gegenteil: Ein Regime Change hat nicht stattgefunden, und das venezolanische Volk ist fest entschlossen, seine Souveränität zu verteidigen. Neben Kuba und Nicaragua, die seit Langem fest an der Seite Venezuelas stehen, haben nun auch Kolumbien, Mexiko und Brasilien, die ebenfalls auf Trumps Abschussliste stehen, allen Grund, sich gemeinsam zu wehren. Ganz Lateinamerika steht am Beginn einer neuen Etappe seines 200-jährigen Kampfes um Unabhängigkeit. Wie sich diese gestalten wird, muss die Zukunft zeigen.
Dr. PETER GÄRTNER ist Politikwissenschaftler mit den Fachgebieten Internationale Beziehungen, Globalisierung, Geopolitik, Energie- und Klimapolitik, indigene Völker. Er lehrt an der Universität Leipzig und ist auf Lateinamerika und die USA spezialisiert. Lehraufträge führten ihn an die Universitäten in Leipzig, Dresden, Jena, Wien und Havanna.
[1] Zur Entwicklung der Situation in der Karibik bis Anfang November 2025 vgl. Gärtner, Peter, »Venezuela im Fadenkreuz der Monroe-Doktrin«, in: Marxistische Blätter, 1-2026, S. 124-138
[2] The White House, »National Security Strategy of the United States of America«, Washington D. C., November 2025, https://www.whitehouse.gov/wp-content/uploads/2025/12/2025-National-Security-Strategy.pdf
[3] Renate Dillmann, »Der Überfall auf Venezuela und Trumps ehrlicher Imperialismus« in: NachDenkSeiten, 6. Januar 2026
[4] Ebenda, S. 8
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[5] Moshe Zuckermann, »Ein alt-neuer Weltzustand«, in: Overton, 10. Januar 2006
[6] Jorge Heine, »Die Donroe-Doktrin – Lateinamerikas Unterwanderung«, Podcast von Glenn Diesen auf YouTube, 10. Januar 2026 (Transkript in deutscher Sprache)
