Ist die Deutsche Bahn noch zu retten?

Die neue Chefin der Deutschen Bahn (DB) Evelyn Palla will den Konzern und seine Tochterunternehmen gründlich umkrempeln. Dass aktienrechtliche Konstrukt bleibt aber unangetastet.

VON RAINER BALCEROWIAK


Als die 52-jährige Managerin Evelyn Palla am 22. September 2025 von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) nebst einer »Agenda für zufriedene Kunden« (1) offiziell als neue Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn (DB) AG vorgestellt wurde, hatte dies durchaus Züge einer Erweckungszeremonie. Man drücke jetzt »den Startknopf für einen Neuanfang, strukturell und personell«. Man werde das Unternehmen auf sein Kerngeschäft konzentrieren, und das sei der Transport von Menschen und Gütern auf der Schiene. Maßgeblich seien die gemeinwohlorientierte Infrastruktursparte InfraGO sowie die drei Verkehrssparten DB Fernverkehr, DB Regio und DB Cargo (Güterverkehr). Alle anderen Beteiligungen des Konzerns gehörten auf den Prüfstand und würden gegebenenfalls verkauft. Das Unternehmen müsse »schneller, schlanker und wirtschaftlicher werden«. Wichtige Messlatten seien dabei Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit des Verkehrs sowie Sicherheit und Sauberkeit in den Zügen und auf den Bahnhöfen. Für wohliges Schaudern sorgten dabei einige aktuelle Zahlen, die Schnieder präsentierte. So seien im Juli und August nur noch etwas mehr als die Hälfte aller Fernzüge pünktlich gewesen, an einigen Wochenenden sogar nur gut 40 Prozent. Dazu sei fast jeder zehnte Zug ausgefallen.

Auch die neue Chefin fand drastische Worte. Die in Südtirol aufgewachsene Betriebswirtschaftlerin verfügt – anders als die meisten ihrer Vorgänger – über umfangreiche Expertise im Schienenverkehr. Nach ihrer Tätigkeit im Bereich Planung und Controlling beim Energiekonzern E.ON wechselte sie 2011 zu den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), wo sie ab 2015 im Vorstand der ÖBB-Personenverkehr für die Bereiche Nah- und Regionalverkehr, Finanzen und Einkauf zuständig war. 2019 wechselte sie zum DB-Konzern und wurde Vorständin für Finanzen der DB Fernverkehr. Im Juni 2022 wurde sie zur Vorständin des Gesamtkonzerns und zugleich zur Vorstandsvorsitzenden der DB Regio berufen, die unter anderem eine Pünktlichkeitsquote von über 90 Prozent und schwarze Zahlen vorweisen kann. Zu ihrer »Street Credibility« gehört auch, dass sie als einziges Vorstandsmitglied der Deutschen Bahn einen Lokführerschein besitzt.

Palla versprach bei ihrer Vorstellung kurz und bündig: »Wir räumen auf«, und jetzt sei der »Tag des Aufbruchs« für Kunden und Mitarbeiter gekommen. Man werde die Vorstände im Konzern und in den Töchtern verschlanken, Doppelzuständigkeiten abschaffen und Ertüchtigung und Ausbau der Infrastruktur an die »oberste Stelle« setzen. Allzu euphorisch sollte das aber nicht wirken, und daher ihre Mahnung: »Nichts wird schnell gehen.« Es handle sich »nicht um einen Sprint, sondern um einen Marathonlauf«. Dazu passt, dass die kurz- und mittelfristigen Zielmarken für die Pünktlichkeit im Fernverkehr am Montag sogar nach unten korrigiert wurden. So soll die Marke von 70 Prozent nunmehr erst 2029 erreicht werden, der alte Bahn-Vorstand hatte dafür – bar jeden Realitätsbezugs – 2026 avisiert.

Palla steht vor einer Herkulesaufgabe. Der Konzern und seine über 500 Tochter- und Beteiligungsgesellschaften sitzen auf einem riesigen Schuldenberg. Seit der 1994 erfolgten Umwandlung der Deutschen Bundesbahn in eine Aktiengesellschaft und der politisch vorgegebenen Strategie, das Unternehmen zum Global Player in der Logistikbranche zu entwickeln und perspektivisch an der Börse zu platzieren, ging es steil bergab. Auf der einen Seite wurden seitdem zweistellige Milliardenbeträge mit fragwürdigen Investitionen in vielen Ländern (bis hin zur Transportlogistik für den australischen Weinexport) regelrecht verbrannt. Und auf der anderen Seite wurde der DB AG in ihrem eigentlichen Kerngeschäft – dem Schienentransport von Menschen und Gütern in Deutschland – ein rigoroses »Sparprogramm« verordnet.

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