Trumps Apolarität
Die USA als Imperium versuchen ihren Niedergang aufzuhalten und wollen weiter eine bestimmende Rolle in der Welt spielen.
VON ERHARD CROME
Donald Trump hatte am 20. Januar 2025 sein Amt als Präsident wieder übernommen. Mit ihm endete die Ära der globalistischen Weltpolitik der USA, die nach dem Ersten Weltkrieg begann und nach dem Zweiten Weltkrieg dominant wurde. »America First«, »Make America Great Again« (MAGA) hatte er bereits in seiner ersten Amtszeit durchzusetzen versucht. Das wurde dann durch vier Jahre Biden unterbrochen, der wieder auf eine globalistische Linie einschwenkte. Die USA versuchten nach dem Kalten Krieg Weltreich zu werden, hörten aber nicht auf, Nation zu sein. Die Kosten für die imperiale Politik aber mussten von der Nation, den US-amerikanischen Steuerzahlern getragen werden. Der »Niedergang« des Westens, dessen Krise war jetzt »die treibende Kraft der Geschichte«.[1]
Abschied vom Globalismus
Die Wahl von Trump war Ausdruck einer neuen Mehrheitsposition in den USA: Die Mehrheit will sich wieder frei entfalten – was der »amerikanische Traum« ist und US-amerikanische Tradition seit über 250 Jahren. Nachdem die Bevölkerung der USA die Kosten der globalistischen »Weltgestaltung« nicht mehr tragen wollte, stand mit »MAGA« die Nation im Zentrum. Die Idee einer »realistischen Außenpolitik« – nicht eines Isolationismus – hatte wieder Eingang in die außenpolitischen Auseinandersetzungen in den USA gefunden. Die »westlichen Werte« sollten in der Welt nicht länger durch kostspielige militärische Interventionen, die auch in den US-Streitkräften Opfer kosteten, sondern durch die Attraktivität der USA beziehungsweise der Länder des Westens verbreitet werden, die auf wirtschaftlicher Leistung beruht. Trump wurde gewählt, weil er versprochen hatte, die nicht enden wollenden, teuren Kriege der USA in der Welt zu beenden, nicht neue zu führen.
Trump sieht die USA in einer Konkurrenz der großen Mächte, in der die USA ihren ersten Platz verteidigen müssten. Kein weltkapitalistisches »Empire«, vielmehr eine Art »Konzert der Mächte«, das auf Konkurrenz und Kooperation beruht und in dem die USA die erste Geige spielen. Es entstand eine »Pentarchie« der Mächte, ähnlich der Situation in Europa vor dem Ersten Weltkrieg. Dazu zählen heute die USA, China, Russland, Indien und die EU. Die USA haben bei allen wesentlichen Machtressourcen – Militär, ökonomisches Potenzial, Technologie, politischer Einfluss und Softpower – nach wie vor eine Spitzenstellung. Mit ihren Militärallianzen und über 800 ausländischen Militärstützpunkten, mit ihren Konzernen, dem Dollar als internationaler Währung, ihren Geheimdiensten, Medien und ihrer Kulturindustrie verfügen sie über eine einzigartige Präsenz auf der ganzen Welt. Die Verfügung über die ganze Bandbreite von Machtressourcen gibt Washington eigentlich vielgestaltige Handlungsoptionen, über die kein anderes Land verfügt. Das konstituiert in nahezu allen Außenbeziehungen – zu Freund und zu Feind – eine außenpolitische Asymmetrie. Die USA schienen ihre Interessen mehr als jeder andere durch Machtressourcen unterhalb der militärischen Schwelle durchsetzen zu können, so durch Technologie- und Wirtschaftssanktionen und politischen Druck.[2] Das war der geopolitische Ansatz der zweiten Trump-Administration.
Die USA als Imperium versuchen ihren Niedergang aufzuhalten und wollen weiter eine bestimmende Rolle in der Welt spielen. VON ERHARD CROME Donald Trump hatte am 20. Januar 2025 sein Amt […]