Die Trump-Ordnung
US-Präsident Donald Trump erweckt zunehmend den Eindruck, den Verstand verloren zu haben – doch er verfolgt eine klare Strategie.
VON FELIX FEISTEL
Spätestens mit Beginn des Iran-Krieges hat die allgemeine Distanzierung zahlreicher westlicher Politiker und Medien von Donald Trump einen deutlichen Schub bekommen. Immer wieder hört und liest man, Trump habe den Verstand verloren. Der Tenor ist im steigenden Maße: Der US-Präsident laufe Amok, er habe keine klare Strategie und wisse gar nicht, was er eigentlich tut. Er habe sich in einen Krieg hinein manipulieren lassen, habe sich Hals über Kopf in dieses kriegerische Abenteuer gestürzt und wisse nun nicht mehr, wie er ihm entkommen könne. Und auch wenn Trump mit seinen zahlreichen Kehrtwenden und Widersprüchen tatsächlich den Eindruck erweckt, der Verstand sei ihm abhandengekommen, so steht der Krieg gegen den Iran doch im Kontext eines größeren Vorhabens, aus dem der US-Präsident nie einen Hehl gemacht hat: »America First« und »Make America Great Again« (MAGA). Und im Lichte dieses Vorhabens ergibt das meiste von dem, was die USA derzeit außenpolitisch treiben, einen Sinn.
Ende 2025 veröffentlichten die USA ihre neue »Nationale Sicherheitsstrategie«, die umgangssprachlich die Bezeichnung »Donroe-Doktrin« erhalten hat.[1] Denn die Doktrin weist große Ähnlichkeiten mit der sogenannten Monroe-Doktrin auf, verabschiedet von einem der ersten US-Präsidenten im Jahr 1823. Diese sah vor, dass die USA sich auf ihre Hemisphäre beschränken, anstatt überall auf der Welt Kriege zu führen. Diese Hemisphäre bezog allerdings große Teile des amerikanischen Kontinents ein. Hier sollten die USA Hegemon sein und die Zügel in der Hand halten. Genau das sieht auch die neue Sicherheitsstrategie vor – mit einigen wichtigen Ergänzungen. Denn nun sehen die USA sich in der Rolle, auch aufsteigende regionale Mächte – egal in welcher Region – bekämpfen zu können, um, so der Vorwand, eine angeblich von ihnen ausgehende Bedrohung zu verhindern.
Dazu sollen die USA jedoch nicht unbedingt selbst aktiv werden müssen – sie überlassen den Kampf gegen Rivalen ihren Vasallen überall in der Welt. So verlangte die US-Regierung von den europäischen NATO-Partnern mehr Investitionen in das Militär und die Aufrüstung. Anderenfalls drohten sie das Bündnis zu verlassen und den »Partnern« ihren »Schutz« zu versagen. Auch wenn dies in Europa zunächst eine große öffentliche Empörung auslöste – das Ziel wurde erreicht. Mit der Begründung, Europa könne sich nicht länger auf die USA verlassen, haben die dortigen Staaten massiv in Rüstung investiert, militarisieren ihre Gesellschaft und planen sogar eine Art europäisches Militär.[2]
Dieses soll sich gegen Russland richten – einen aufstrebenden Rivalen der USA, der eng verbündet ist mit dem größten Rivalen: China. Während die USA sich aus dem Ukraine-Krieg zurückziehen, übernimmt die EU die Hauptlast der Finanzierung und Unterstützung – und hat nach der Abwahl von Viktor Orbán in Ungarn schließlich auch ein 90-Milliarden-Euro-Paket zur Fortsetzung des Krieges beschließen können.[3]
US-Präsident Donald Trump erweckt zunehmend den Eindruck, den Verstand verloren zu haben – doch er verfolgt eine klare Strategie. VON FELIX FEISTEL Spätestens mit Beginn des Iran-Krieges hat die allgemeine […]