Globales

Kriegswirtschaft und Militärstaat

Zur Kritik der Politischen Ökonomie der Kriege, Teil 2 

VON RUDOLPH BAUER

I. Krisenbedingte Hinwendung zur Kriegswirtschaft


Bei geringer Kapazitätsauslastung der unter Produktionszwang stehenden Unternehmen erscheint die Hinwendung zur rüstungswirtschaftlichen Produktion als politische Lösung.[1] Wie Manfred G. Schmidt feststellt, bieten Kriege den einzigen, den allerletzten Ausweg aus der Profitkrise: »Wenn keine Nachfrage echter Art, d. h. nach reproduktiven Werten vorhanden ist, so muss eine andere Nachfrage, also eine nach nicht-reproduktiven Werten geschaffen werden.«[2]

Die Gewinne der Rüstungswirtschaft und Kriegsindustrie sind exorbitant. Die Profite sind

»verhältnismäßig 3-4 mal höher als bei Zivilindustrien gleicher technischer Leistung. In diesem […] Umstand liegt der stärkste Antrieb für die Rüstungsindustrie, kriegsschürend auf die Politik der Staaten einzuwirken.«[3]

»So wird offensichtlich, dass Gewinne von Unternehmen eine Kriegsursache sind. Die Privatisierung des Militärs, d. h. der Einsatz von privaten ›Sicherheitsfirmen‹ und anderer Unternehmen, macht das Geschäft mit dem Krieg deutlich.«[4]

Solange Kriege andauern, ist in der Rüstungsindustrie auch keine Überproduktion zu befürchten; die produzierten Waffen, Raketen, Panzer, Flugzeuge, Kriegsschiffe, U-Boote usw. kommen im Krieg zum Einsatz, werden dabei unbrauchbar oder zerstört und müssen immer wieder neu beschafft und produziert werden.

Die Konsumtion der rüstungsindustriell produzierten Waren ist gesichert; der kriegführende Staat (oder das kriegführende Staatenbündnis) bzw. die verbündeten, Waffen liefernden Regierungen sind Garant dafür, dass der Umsatz sichergestellt ist und die Mehrwert-Produktion nicht zum Erliegen kommt. Der Verschleiß der Waffen und Kriegsgeräte sorgt für ständig weitere Nachfrage.

Mit den Worten von Fabio Vighi:

»Gerade weil die Militärproduktion weitgehend von Rentabilitätsprüfungen am Markt abgeschirmt ist, dient sie als idealer Kanal für schuldenfinanzierte Ausgaben. Die Aufrüstung lockert die Kreditbedingungen und legitimiert die Geldmengenausweitung zum Vorteil des Finanzsektors. Sie fungiert somit als paradigmatische Form der ›falschen Akkumulation‹: Geld wird in Umlauf gebracht, ohne neue reale Wirtschaftssubstanz zu schaffen.«[5]

Durch rasende Zerstörung ist der Fortbestand der auf Ausbeutung, Unterdrückung und Mehrwertproduktion basierenden Wirtschaftsordnung garantiert. Denn selbstverständlich wird auch in der Rüstungsproduktion Mehrwert geschaffen, und dies in nicht geringem Umfang; die Entlohnung der menschlichen Arbeitskraft ist in der boomenden Rüstungsindustrie um ein Vielfaches geringer als derjenige Wert, der auf dem Markt der Kriegswirtschaft für die produzierte Ware gezahlt wird.

Ich fasse zusammen: Auf die Höhe des Profits wirkt sich die Generierung des Mehrwerts in doppelter Weise aus: Zum einen werden Preise kalkuliert, die erheblich über den Lohnkosten liegen und Höchstgewinne garantieren. Das ist der Fall, weil im Krieg auf die Rüstungsgüter nicht verzichtet werden kann. Zum anderen aber wirken sich auch bei der Rüstungsproduktion die beiden Arten der Mehrwertgenerierung profitsteigernd aus.

II. Mehrwertproduktion und Subsumtion

Mehrwert entsteht bei der Produktion von Waren auf doppelte Weise: sowohl in absoluter als auch in relativer Hinsicht. In beiden Fällen spielt die menschliche Arbeitskraft die entscheidende Rolle. Entweder sie bzw. ihr Einsatz wird ausgedehnt, wird länger vernutzt (Extensivierung der Arbeit), oder sie wird gestärkt, verdichtet, ihre Qualität wird verbessert (Intensivierung der Arbeit). In beiden Fällen ist die menschliche Arbeit den Kapitalverhältnissen untergeordnet: durch ihre formale Subsumtion im Rahmen der absoluten Mehrwertproduktion, durch die reale Subsumtion im Rahmen der Erzeugung von relativem Mehrwert.

»Unterordnung (Subsumtion) der Arbeit unter das Kapital, demzufolge des Arbeiters unter den Kapitalisten« ist ein »ganz wesentliches Charakteristikum des Kapitalismus […], denn es sind die Anweisungen des letzteren, denen der erstere zu folgen und unter dessen Kontrolle und Kommando er zu arbeiten hat.«[6]

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Als Subsumtion unter das Kapital beschreibt Marx im Nachlass der Vorarbeiten zur Kritik der Politischen Ökonomie seines Hauptwerks Das Kapital jene Prozesse, welche die menschliche Arbeitskraft der kapitalistischen Produktionsweise unterordnen. […]

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