250 Jahre USA: 469 Kriege – Nur 5 verfassungsgemäß
Das angebliche Musterland der Demokratie ist ein Musterland des Krieges.
VON WERNER RÜGEMER
Bild von Pete Linforth auf PixabaySeit ihrer Gründung haben die USA zunächst für die Erweiterung ihres Staatsgebiets und danach für den globalen Zugriff auf andere Staaten 469 Kriege geführt. Nur in 21 Jahren ihres 250-jährigen Bestehens haben die USA keinen Krieg geführt.
36 Kriege gelten als »große« Kriege. Die anderen waren »kleine« Kriege, oft bezeichnet als »militärische Operationen«. Manche dauerten viele Jahre, andere waren kurzfristig und regional begrenzt, etwa eine Invasion zum Sturz einer Regierung, die sich gegen eine europäische Kolonialmacht oder auch gegen US-Interessen durchgesetzt hatte.[1]
Zu diesen 469 Kriegen zählen nicht die Kriege, die von US-unterstützten Terroristen und Stellvertreter-Kriegern geführt wurden und werden. Und es zählen dazu auch nicht die Kriege, die von Banken, Konzernen, Investoren der USA mit vorbereitet, beliefert und mitfinanziert wurden, teilweise ohne oder gegen die eigene Regierung.
Die meisten eigenen, direkten Kriege wurden für die US-Expansion nach dem Zweiten Weltkrieg geführt, zunächst während des im soften Neusprech lügenhaft inszenierten »Kalten« Krieges: Der war in Wirklichkeit ein besonders »heißer« Krieg, mit über 100 Kriegen.
Und danach, seit dem Ende der Sowjetunion 1991, führten die USA noch mehr Kriege, insgesamt 251. Sie betrafen 80 Staaten.
Die zusätzlich indirekt betroffenen Staaten sind nicht gezählt. Ebenso sind die zivilen Toten meist nicht oder ungenau erfasst, da die USA prinzipiell nur die eigenen getöteten Soldaten zählen. Tötungen von Zivilisten bei US-Kriegsverbrechen werden nicht bestraft, ihre Aufdeckung steht unter Strafe, wie die USA im Umgang mit dem Journalisten Julian Assange demonstrierten.
Bei den allermeisten Kriegen hat die US-Regierung gegen die Verfassung verstoßen: Nur fünf der 469 direkten Kriege wurden verfassungsgemäß vom US-Kongress beschlossen – der letzte 1941. Für diese verfassungsfeindliche Dauerpraxis haben die USA die gesetzliche und völkerrechtliche Definition von »Krieg« immer weiter aufgelöst, labern von »Frieden«, verhindern aber Friedensverträge, sind im gesetzlosen kriegerischen Dauerzustand.
Die fünf »großen« Kriege, verfassungsgemäß erklärt
Nur fünf Kriege wurden verfassungsgemäß erklärt:
– 1812–1815 gegen England: Sicherung des US-Staats als von »Old England« unabhängiger Kolonialstaat neuen Typs, mit fortdauernder Sklaverei
– 1846–1848 gegen Mexiko: Eroberung von mexikanischem Staatsgebiet, wo neue US-Bundesstaaten errichtet wurden und die Sklaverei wieder eingeführt wurde: Kalifornien, Nevada, Arizona, New Mexico sowie Erweiterungen für Colorado und Wyoming
– 1898–1902 gegen Spanien: Eroberung von Kuba, Puerto Rico, der Philippinen und Guam: Einsetzung von Diktatoren; Einrichtung von Militärstützpunkten in Kuba (Guantanamo bis heute) und Guam (bis heute); die Philippinen als Protektorat bis 1946; Puerto Rico bis heute als staatenloses US-Protektorat
– 1917–1918 Erster Weltkrieg gegen Deutschland
– 1941–1945 Zweiter Weltkrieg gegen Deutschland
Gleichzeitig: Nicht-erklärte Begleitkriege
Diese Kriege waren begleitet von wesentlichen, nicht-erklärten Kriegen und Kriegsmaßnahmen:
– Erster Weltkrieg: Während die US-Regierung unter Präsident Wilson die Neutralität und den Frieden beschwor und erst 1917 den Krieg erklärte, war die Wall Street mit den führenden US-Rüstungskonzernen sofort 1914 in den europäischen Krieg eingetreten, sie kreditierten und belieferten die Kriegsparteien und gestalteten so den Krieg entscheidend mit.
– Zweiter Weltkrieg: Während die US-Regierung unter Präsident Roosevelt die Sowjetunion unterstützte, hatte die Wall Street schon seit 1935 Hitler-Deutschland für den Vernichtungskrieg gegen den gemeinsamen Hauptfeind Russland/Sowjetunion aufgerüstet und lieferte auch im Krieg weiter. Zusätzlich finanzierte die Wall Street den Vernichtungskrieg Hitlers gegen die Sowjetunion über die Bank for International Settlements (BIS) in Basel/Schweiz, durch die Wäsche des Raubgolds und der Raubaktien in den besetzten Staaten.[2]
Die 31 weiteren »großen Kriege«
Neben den genannten fünf verfassungsgemäßen haben die USA 31 weitere »große« Kriege geführt, gegen die Verfassung, auch ermöglicht durch die eher monarchisch-diktatorische Sonderstellung des US-Präsidenten. Eine Auswahl:
– 1775–1783 gegen England: Abtrennung der USA als eigener Kolonialstaat (wird zu den »großen« Kriegen gezählt, obwohl der US-Staat noch nicht gegründet war)
– 1798–1800 gegen Frankreich: Vertreibung des in Nordamerika noch präsenten Kolonialkonkurrenten
– 1801–1805 »Erster Barbaren-Krieg« gegen das Osmanische Reich in Nordafrika
– 1861–1865 US-Bürgerkrieg: Kampf der Nord- gegen die Südstaaten
– 1899–1913 Eroberung der Philippinen: Teil des Krieges gegen Spanien, mit Völkermord mit bis zu einer Million getöteter Zivilisten; Ausbeutung als staatenloses US-Protektorat bis 1946
– 1950–1953 Korea-Krieg: zur Sicherung des von den USA 1948 gegen den antikolonialen Aufstand gegründeten Separatstaats Südkorea, ohne Friedensvertrag bis heute, wie Bundesrepublik Deutschland
– 1953 »Operation Ajax« gegen Iran: Sturz der demokratisch gewählten Regierung unter Premierminister Mossadegh, Einsetzung der monarchischen Diktatur unter Schah Reza Pahlevi, vor allem um die Verstaatlichung des britischen Ölkonzerns Anglo-Iranian Oil Company zu verhindern
– 1954 »Operation PBSUCCESS« in Guatemala: Sturz der demokratisch gewählten Regierung von Präsident Jacobo Arbenz, um dessen Landreform zu verhindern, die Interessen des US-Bananen-Konzerns United Fruit berührt hätte
– 1955–1975 Vietnamkrieg: gegen die nationale Befreiungsbewegung unter Ho Chi Minh, mit Völkermord: großflächige Bombardierungen, Massaker an Zivilisten, Vergiftung von Wäldern, Ernten, Böden (»Agent Orange«)
– 1961 »Operation Schweinebucht«: Invasion Kubas, um die Regierung der antikolonialen Befreiungsbewegung – Fidel Castro, Che Guevara – zu stürzen. Ihr »Verbrechen«: Sie hatte den von den USA eingesetzten Diktator Batista gestürzt.
– 1965–1966: »Operation Power Pack« in der Dominikanischen Republik: Invasion zum Sturz der gewählten Regierung von Präsident Juan Bosch
– 1970–1973: Unterstützung der Putsch-Generäle in Chile, um die demokratisch gewählte Regierung unter Präsident Salvador Allende zu stürzen; Sicherung der Diktatur unter General Pinochet, Stopp der von Allende eingeleiteten Verstaatlichungen von US-Konzernen
– 1983 »Operation Urgent Fury« in Grenada: Invasion zum Sturz von Premier Maurice Bishop, der die bisherige britische Kolonialverwaltung gewaltlos abgelöst hatte
– 1989–1990 »Operation Just Cause« in Panama: größte US-Luftlandeoperation seit dem Zweiten Weltkrieg. Die USA setzten eine Regierung ein, die ihr den Zugriff auf den Panamakanal sicherte, auch für die Zeit nach dem Ende des Pachtvertrages 1999.
– 1995–2004 »Operation Deliberate Force« in Bosnien-Herzegowina: Die USA mit weiteren NATO-Staaten förderten wie auch sonst in Ex-Jugoslawien rechtsgerichtete Nationalisten. Seit 2004 wird das deshalb konfliktreiche, staatsähnliche Gebilde von einem westlichen »Hohen Repräsentanten« regiert/überwacht.
– 1998–1999 »Operation Allied Force« in Jugoslawien: Bombardierung der Hauptstadt der Bundesrepublik Jugoslawien, Belgrad, um auch Serbien als nationalistischen Klein- und Einzelstaat aus Rest-Jugoslawien herauszubrechen. Die US-geführte NATO exekutierte hier zum ersten Mal gegen den NATO-Vertrag einen Krieg ohne den erforderlichen Bündnisfall. Bombardiert wurde auch die Botschaft Chinas. Gleichzeitig sorgten die USA für die Gründung des Separatstaats Kosovo unter Leitung der nationalistisch-rechtsradikalen Terrororganisation UCK.
– 2001–heute »Global War on Terror«: Nach dem Terrorangriff auf das Finanzzentrum in New York verkündete US-Präsident Bush den globalen Krieg gegen den Terror. Die USA haben das Recht auf präventive Kriege gegen Terroristen, die als Bedrohung des »nationalen Interesses« der USA gelten. Weltweite Einrichtung von Foltergefängnissen für »ungesetzliche Kombattanten«, etwa im US-Militärstützpunkt Guantanamo (Kuba), verbunden mit der Praxis des »Verschwinden-Lassens«. Die Doktrin gilt bis heute und zeitlich unbegrenzt; bisher haben die USA dazu Drohnenmorde und Militärschläge in 78 Staaten ausgeführt.
– 2001–2021 »Operation Enduring Freedom« in Afghanistan: Unter US-Führung mit weiteren NATO-Vasallen wie Deutschland 20 Jahre Krieg gegen die Taliban, nachdem die USA vorher dort selbst Terroristen aufgebaut hatten (Al-Qaida); Finanzierung und Anleitung einer Marionettenregierung und einer NGO-Blase in der Hauptstadt Kabul. Nach etwa einer Million getöteten Afghanen beendeten die USA plötzlich den nicht gewinnbaren, aber bis dahin hochprofitablen Krieg.
– 2003–2011 »Operation Iraqi Freedom« im Irak: Invasion mit der Lüge der »Massenvernichtungswaffen« des Irak unter Regierungschef Saddam Hussein. Nachdem Hussein als langjährig von den USA ausgerüsteter Stellvertreterkrieger gegen den von der Schah-Diktatur befreiten Iran keinen Erfolg hatte, wurde er gedemütigt und ermordet. Folgen des Krieges: geschätzt eine Million getötete Zivilisten, darunter Hunderttausende Kinder. Seitdem betreiben die USA in Bagdad neben einem Militärstützpunkt die weltgrößte Botschaft eines Staates. Im Jahr 2020 fand hier die Hinrichtung des iranischen Militärchefs Soleimani während seines Besuchs statt.
– 2004–heute »Global Drone Campaign«: Fortsetzung des »Global War on Terror«, Tötung von Terroristen weltweit, ohne Nachweise oder Gerichtsverfahren, mit Hilfe von Drohnen; für die unterschiedlichen Entfernungen und Bedingungen auf allen Kontinenten ließ Präsident Obama ab 2008 etwa zwei Dutzend verschiedene Drohnenarten entwickeln; die dabei oft »unvermeidliche« Tötung von Zivilisten wird als »Kollateralschaden« gerechtfertigt. Dafür nutzen die USA auch US-Stützpunkte in anderen Staaten, ohne deren Regierungen zu fragen, so in Deutschland das US-Militärkommando für Afrika AFRICOM in Stuttgart.
– 2007–heute in Somalia: AFRICOM aus Stuttgart führt Krieg in Afrika mit Drohnen und Spezialeinsätzen gegen Terroristen, unterstützt die Regierung, aber auch die Abspaltung des Separatstaats Somaliland, das enge Beziehungen mit Israel unterhält.
– 2011 »Operation Odyssey Dawn« in Libyen: Die USA mit NATO-Assistenz stürzten die Regierung von Muammar al-Gaddafi; der hatte mit Hilfe der nationalen Ölreserven eine vom Westen und Frankreich unabhängige afrikanische Wirtschaft in Gang gesetzt, mit eigener Währung, auch durch die Erschließung des unterirdischen Süßwassers der Sahara für den Aufbau einer Landwirtschaft in ganz Nordafrika. Gaddafi wurde ermordet, in Libyen herrschen seitdem zwei feindliche Regierungen und Gangs.
– 2013–2024 »Operation Juniper Shield« in der Sahelzone: Fortsetzung des »Global War on Terror», angeführt von AFRICOM (Stuttgart), mit Beteiligung Frankreichs; Beginn im Niger mit der »US Airbase 201«. 2025 zogen sich die USA zurück, erzwungen durch national orientierte Militärregierungen in Niger, Mali und Burkina Faso.
– 2014–2025 »Operation Inherent Resolve« in Syrien und Irak: Ziel war der Sturz der Assad-Regierung in Syrien. Die USA unterhielten in Syrien mobile Militärstützpunkte, unterstützten islamistische Terrorgruppen, so die kurdische SDF und das East Turkestan Islamic Movement (ETIM) aus Xingjang/China. Nach dem Sturz Assads setzten die USA mit al-Scharaa, Ex-Al-Qaida und Ex-Al-Nusra, einen Terroristen als Staatschef ein, auf dessen Ergreifung sie vorher 10 Millionen US-Dollar ausgesetzt hatten. Israel unterstützt dies weiter durch Militäroperationen für den Aufbau einer Groß-Investment-Region der Trump-Regierung.
– 2015–2025 »Operation Decisive Storm« im Jemen: Die USA führten mit Golfstaaten und NATO-Mitgliedern Kampf gegen die Huthi-Widerstandsorganisation. Tausende Zivilisten wurden getötet, Infrastruktur wurde zerstört, ganz Jemen wurde in eine Hunger- und Wirtschaftskrise gestürzt – verstärkt durch die »Operation Rough Rider« (2023–2025), die aber ebenfalls erfolglos blieb. Die Huthis wurden nicht besiegt; der wichtigste US-Alliierte Saudi-Arabien zog sich zurück: offizielles Ende der Operation.
– 2023–heute USA im Libanon: Die USA finanzieren und beliefern Israels Invasion in den Libanon und den Krieg gegen die Hisbollah, mit Tausenden getöteten Zivilisten und Millionen Flüchtlingen.
– 2025–heute »Operation Epic Fury« gegen Iran: US- und israelische Bombardierungen von Nukleareinrichtungen, Schulen, Universitäten und Infrastruktur, Hinrichtungen führender Politiker und Militärs. Trump verkündete den Sieg, aber Iran kann sich »überraschend« nachhaltig wehren mit Zerstörungen von US-Militärstützpunkten und Energieunternehmen in den Golfstaaten sowie mit der Kontrolle der für Öl- und Gastransporte wichtigen Straße von Hormus.
Die 433 »kleinen« Kriege
Unter den nicht-erklärten »kleinen« Kriegen sind auch Kriege, die Jahre andauern und viele Tote zur Folge haben, oft viel mehr in der Zivilbevölkerung als im Militär. Zudem haben die USA mehrere Staaten nacheinander mehrmals besetzt. Häufiges Ziel ist der Sturz einer von den USA als feindlich erklärten Regierung (Regime Change), sei es durch eine Invasion, durch Hinrichtung, durch Beauftragung von Stellvertretern oder auch durch eine Kombination dieser Praktiken: Im Folgenden jeweils eine kleine Auswahl verschiedener Typen der »kleinen« Kriege.
Bombardierungen
– Laos 1964–1973: massivste Bombardierung eines Landes pro Einwohner in der Kriegsgeschichte, wegen vermuteter Lieferungen an die vietnamesische Befreiungsfront, geschätzt 200.000 getötete Zivilisten
– Kambodscha 1969–1973: Bombardierung wegen vermuteter Lieferungen an die vietnamesische Befreiungsbewegung, getötete Zivilisten geschätzt zwischen 100.000 und 500.000
Mehrfach-Invasionen/Besetzungen
– Nicaragua: 1912–1933 Besetzung und Installierung der Diktatur (Somoza-Clan); 1981–1990 Finanzierung der Contras gegen die nationale Befreiungsbewegung der Sandinisten
– Kuba: 1898–1902 Besetzung, 1906–1909 Besetzung, 1952 Installierung einer US-freundlichen Diktatur (Batista-Clan), 1961 US-Invasion (»Schweinebucht«) gegen die erfolgreiche Befreiungsbewegung, die Batista vertrieben hatte
– China: 1928–1965 Finanzierung, Belieferung und Beratung des Diktators Chiang Kei-shek, gegen die nationale Befreiungsbewegung unter Mao Tse-tung; ab 1949 »Operation National Glory«: mit dem nach Taiwan geretteten Chiang-Kei-shek-Clan terroristische Angriffe auf die Volksrepublik China von Taiwan aus, bis 1965, erfolglos; seitdem langfristige Aufrüstung Taiwans gegen China
– Afghanistan 1979–1989 »Operation Cyclone«: Geheimoperation mit Milliarden US-Dollar für die islamistischen Mujahedin, die die erste weltliche, nicht-monarchische, auch von der Sowjetunion unterstützte Regierung Afghanistans bekämpften. Nach geschätzt zwischen 600.000 und zwei Millionen getöteten Zivilisten und mehreren Millionen Flüchtlingen hinterlassen die USA nach zehn Jahren ein Chaos mit Bürgerkrieg.
– Afghanistan 2001–2021 »Operation Enduring Freedom«: Ab 2001 führten die USA mit einer erweiterten Vasallen-Allianz, darunter Deutschland, einen erneuten Krieg in Afghanistan an, der diesmal 20 Jahre andauert.
– Iran 1953–2026: Die USA leiteten 1953 den Putsch gegen die gewählte Regierung Mossadegh und setzten die monarchische Diktatur von Schah Reza Pavlevi ein. Nachdem die Diktatur durch eine Volksbewegung gestürzt wurde, bewaffneten die USA den von Saddam Hussein geführten Irak zum Sturz der iranischen Regierung (Iran-Irak-Krieg, 1980–1988), erfolglos. Seit 2025 wieder Krieg gegen Iran, zusammen mit Israel.
Stellvertreterkriege
Das sind Kriege, in die zwar meist kein US-Militär direkt und offen eingreift, in die aber andere US-Akteure eingreifen: Kapitalisten, Geheimdienste, Konzerne, Berater.
– 1914–1917 Erster Weltkrieg: Wall Street, Rüstungs- und Energiekonzerne kreditieren und belieferen die europäischen Kriegsparteien, unabhängig von der US-Regierung unter Präsident Wilson, der bis 1917 die Neutralität der USA beschwor.
– 1918–1920 Russland: Die USA führen mit Alliierten und auch mit dem bisherigen Kriegsgegner Deutschland die Invasion in Russland gegen die 1917 erfolgreiche revolutionäre Regierung unter Lenin. Die USA finanzierten gleichzeitig ein halbes Dutzend ex-zaristische Generäle, die mit ihren verbliebenen Soldaten die Regierung Lenins ebenfalls bekämpfen, ohne Erfolg.
– 1935–1945 Zweiter Weltkrieg: US-Rüstungs- und Energiekonzerne rüsten Hitlers Wehrmacht auf, beliefern sie auch während des Krieges. Die Wall Street finanziert Hitlers Vernichtungskrieg gegen den gemeinsamen Hauptfeind, die Sowjetunion. So wurde der Krieg verlängert, der 27 Millionen Menschen, davon 21 Millionen Zivilisten, das Leben kostete.
– 1948–1949 Griechenland: Die griechische Befreiungsbewegung, die gegen die faschistische Besatzung im Zweiten Weltkrieg entstanden war, steht vor dem Sieg. Die USA schicken Militär, vernichten die Antifaschisten, richten die Monarchie wieder ein und machen einen NS-Komplizen zum Regierungschef – dann fließen auch die Gelder des Marshall-Plans.
– 1967–heute Naher Osten: Die USA belieferten und beliefern nach wie vor Israel für Besatzung und Völkermord und für Kriege gegen die Nachbarstaaten Libanon, Syrien und Iran.
– 1991–heute Ukraine: Die USA bereiten seit den 1990er Jahren die Ukraine durch staatliche Agenturen (z. B. USAID), private Stiftungen (z. B. Open Society), Sonderkredite (Weltbank), Übernahme von Staatsanleihen (BlackRock) sowie durch Militärberater und NATO-Manöver auf den Krieg gegen Russland vor, sind dann im Krieg ab 2022 weiter die wichtigsten Lieferanten von Waffen und Daten, leiten den Krieg operativ vom USEUCOM in Wiesbaden.
Regime Changes, Ermordung von Staats- und Regierungschefs
Die Regime Changes im Iran 1953, 1971 in Chile, Nicaragua, Kuba wurden schon genannt. Einige weitere:
– Indonesien 1965: Unterstützung für den antikommunistischen General Suharto
– Kongo 1960–1965: Mit der abgelösten Kolonialmacht Belgien bekämpfen die USA die demokratisch gewählte Regierung unter Premierminister Patrice Lumumba, der ermordet und zerstückelt wird. Als Diktator wird Oberst Mobutu eingesetzt.
– Brasilien 1964: Die USA unterstützen den Putsch der Generäle, der von einheimischen Oligarchen unterstützt wird – es folgt eine 21-jährige Diktatur.
– Griechenland 1967: Die USA unterstützen die rechtsgerichteten Militärs beim Putsch gegen die demokratisch gewählte sozialdemokratische Regierung und installieren die Obristen-Junta.
– Argentinien 1967: Die USA unterstützen die putschenden Militärs, US-Präsidentenberater Kissinger ermutigt sie zum »schmutzigen Krieg«, d. h. zur Ermordnung politischer Gegner; die Diktatur dauert bis 1983.
– Venezuela 2025–heute: Nach monatelanger Vorbereitung wird Regierungschef Maduro gekidnappt und wegen Bedrohung der »nationalen Sicherheit« der USA dort vor Gericht gestellt. Venezuela wird aus Washington regiert.
– Iran 2025–heute: Die USA mit Israel bombardierten Militär- und Nukleareinrichtungen, Schulen, Universitäten, Infrastruktur, förderten vergeblich einen »Volksaufstand« und richteten Dutzende führende Politiker und Militärs hin.
Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki
Am Ende des Zweiten Weltkriegs warfen die USA Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki. Der US-Kongress hatte nicht zugestimmt und wusste wegen der absoluten Geheimhaltung sowieso nichts.
Der Abwurf galt nicht militärischen Zielen. Getötet wurden Zivilisten, Männer, Frauen, Kinder, Ungeborene, Alte, mit Nachwirkungen der Verstrahlung bis heute. Keine US-Regierung hat das je bedauert, sich entschuldigt oder irgendeine »Wiedergutmachung« geleistet.
Dieser erste Einsatz der tödlichsten Waffe der Menschheit war eine Machtdemonstration gegenüber der Sowjetunion, die nach der lügenhaften Bezeichnung als »Alliierter« sofort nach dem Krieg wieder zum Hauptfeind wurde.
Alle US-Regierungen haben die Doktrin des nuklearen Erstschlags beibehalten und aktualisiert – ob von der freundlicheren Art wie mit den Präsidenten Obama und Biden von der Demokraten-Partei oder von der weniger freundlichen Art mit dem Präsidenten Trump von der Republikaner-Partei.
Die Gefahr des Ersteinsatzes der Atombombe durch die USA wird durch den jetzigen Abstieg der angemaßten Supermacht verstärkt. Die USA fördern auch fundamentalistisch die international immer mehr isolierte Atommacht Israel, auch dass sie keinerlei internationaler Kontrolle unterliegt, etwa durch die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA), dies im Unterschied zum Iran.
The US War Machine: Dauerkrieg als Geschäft
Die USA haben nicht nur das weltweit größte Rüstungsbudget – mehr als die nächsten zehn Staaten zusammen, einschließlich Russlands und Chinas. Zugleich: Die US-Rüstungskonzerne produzieren 42 Prozent der weltweiten Rüstungsgüter, sind auch die größten Rüstungsexporteure, aktuell ebenfalls die wichtigsten Lieferanten für die europäischen NATO-Mitglieder und für die US-Stellvertreterkrieger Ukraine und Israel.
Keine Friedensverträge! Konflikte offenhalten!
Allein die vier größten Rüstungskonzerne Lockheed, RTX, Boeing, Northrop und General Atomics finanzieren jährlich Abgeordnete des US-Kongresses mit 150 Millionen US-Dollar, drängen auf Fortsetzung von Kriegen und agitieren gegen Friedensverhandlungen.[3]
US-Kapitalorganisatoren wie BlackRock, Vanguard, State Street & Co., die auch führende Aktionäre der Rüstungskonzerne sind, profitieren nicht nur von den Kriegen, sondern nach den Zerstörungen auch beim »Wiederaufbau«, wie nach den von den USA mitfinanzierten bisherigen zwei Weltkriegen. So etwa koordiniert heute BlackRock den »Wiederaufbau« der Ukraine: neue Infrastruktur, neue Rüstungsunternehmen, Privatisierung staatlicher Energie-Unternehmen, Lizenzen für seltene Erden.
Die von den USA behauptete »Sicherheit« dient allein dem nationalen Interesse des kranken Weltpolizisten und verursacht weltweite, dauerhafte Unsicherheit, dauernde und wiederholte Kriege, Unterentwicklung, Hunger und Tod.
USA: Das Militär ist von Umweltbilanzenausgenommen!
Der US-Militär-Komplex mit Produktion, global verteilten Militärstützpunkten, Militärtransporten, globaler Dauerpräsenz zur See, in der Luft, auf dem Boden und im Weltraum und mit Manövern und vor allem mit Kriegen ist auch der größte Umweltzerstörer der Erde.
Gerade deshalb sorgen die US-Regierungen seit dem Aufkommen globaler Umweltbilanzen dafür, dass das Militär ausgenommen wird, Beginn mit Präsident Clinton beim Kyoto-Protokoll 1997 – und so werden lügenhaft Umwelt und Klima als die ungleich größeren Menschheitsgefahren inszeniert als die US-geführten Dauerkriege.
Der Beitrag ist ein bearbeiteter Auszug aus dem Buch Broken USA. 250 Jahre Kriege, Lügen und Unterdrückung, das im Juli 2026 im Verlag Hintergrund erschienen ist.
WERNER RÜGEMER (Jahrgang 1941) lebt in Köln und arbeitet als Publizist, Buchautor, Referent, Berater und Stadtführer. Thematische Schwerpunkte: Internationale Kapital- und Arbeitsverhältnisse; Privatisierung, Unternehmenskriminalität; Die Entwicklung des Weltsystems nach Prinzipien des Völkerrechts und der Menschenrechte. Promotion 1978 über »Philosophische Anthropologie und Epochenkrise«. Mitglied im Beirat der World Association for Political Economy (WAPE) und im Herausgeberkreis der World Marxist Review.
((Coverabbildung))
Werner Rügemer
Broken USA
250 Jahre Kriege, Lügen und Unterdrückung
ISBN 978-3-910568-35-8
104 Seiten, 10,90 € / Ebook 7,99 €
www.hintergrund.de/wissen-kompakt
[1] »Costs of War Project«, Brown University (Providence/Rhode Island, USA), warcosts.org/us-wars-list
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Seit Juli 2023 erscheint das Nachrichtenmagazin Hintergrund nach dreijähriger Pause wieder als Print-Ausgabe. Und zwar alle zwei Monate.
[2] Werner Rügemer, Verhängnisvolle Freundschaft, Köln 2026 (2. Aufl.), S. 240ff.
[3] »Business of War«, Aljazeera.com, 14.05.2026
