Globales

»Der Westen hat Russland nicht ernst genommen«

Gabriele Krone Schmalz über den Weg in den Ukraine-Krieg und die Suche nach dem Weg wieder heraus

Bei einer Veranstaltung in Berlin im April 2026 hat die renommierte Journalistin und Publizistin Gabriele Krone-Schmalz mit der Politologin Petra Erler und dem russischen Botschafter in Deutschland, Sergej Netschajew, über die Notwendigkeit und Chancen von Diplomatie in Kriegszeiten diskutiert. ÉVA PÉLI hatte danach die Gelegenheit, mit ihr über dieses Thema noch einmal vertiefend zu sprechen.


HINTERGRUND Frau Professor Krone-Schmalz, Valentin Falin – der in den 1970er Jahren als sowjetischer Botschafter in Bonn die Entspannungspolitik entscheidend mitgeprägt hat – hat festgestellt: Das Ignorieren von Fakten hebt die durch sie hervorgerufenen Umstände nicht auf, sondern verschärft deren Folgen. Sie machen unermüdlich auf die Vorgeschichte des russischen Einmarsches in die Ukraine vor vier Jahren aufmerksam. Warum wird diese von Politik und etablierten Medien unerbittlich ignoriert?

GABRIELE KRONE-SCHMALZ Weil es offenbar nicht ins Weltbild passt. In der irrigen Annahme, den Kalten Krieg gewonnen zu haben – ein Kalter Krieg ist nur dann wirklich vorbei, wenn sich beide Seiten als Gewinner fühlen dürfen –, trampelt der politische Westen in Siegermentalität durch die Weltgeschichte und wähnt sich stets auf der »guten« Seite, statt zu begreifen, dass es unterschiedliche Blickwinkel gibt, die alle aus der jeweiligen Sicht ihre Berechtigung haben. Es ist so selbstverständlich geworden, russische Sicherheitsbedenken nicht nur für unbegründet, sondern auch für unberechtigt zu halten. Solange sowohl in der Politik als auch in den Medien diese Hybris Handlungsgrundlage ist, wird sich daran auch nichts ändern.

Vermutlich kommt Folgendes erschwerend hinzu: Die Begriffe erklären und rechtfertigen bezeichnen zwei verschiedene Dinge. Sie werden allerdings nur allzu oft in einen Topf geworfen, um unliebsame Erklärungen zu diskreditieren und damit undiskutabel zu machen.

HINTERGRUND Zur Diplomatie im Kalten Krieg gehörte die »Falin-Kwizinskij-Doktrin«, die den Frieden durch deutsch-russische Energiepartnerschaften sichern und stärken wollte. Heute wird das als »Abhängigkeit von russischer Energie« diffamiert und zum Schaden der eigenen Wirtschaft zerstört. Warum?

KRONE-SCHMALZ Das wüsste ich auch gerne, denn besonders intelligent scheint es mir nicht zu sein, diese Zusammenhänge zu ignorieren. Deutschland wird mangels eigener Bodenschätze immer von irgendwem abhängig sein, und wenn man nüchtern analysiert – und nicht ideologiegesteuert –, dann muss man schlicht feststellen, dass sich Russland beziehungsweise damals die Sowjetunion, auch in höchst angespannten politischen Phasen, Stichwort Kalter Krieg, immer an seine beziehungsweise ihre Lieferverpflichtungen gehalten hat. Ich kann nicht erkennen, worin der Vorteil bestehen soll, jetzt in erster Linie von den USA abhängig zu sein. Wenn man besser darauf achtet, dass alle Seiten von einer Zusammenarbeit profitieren, dann heben sich Abhängigkeiten ohnehin gegenseitig auf.

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Gabriele Krone Schmalz über den Weg in den Ukraine-Krieg und die Suche nach dem Weg wieder heraus Bei einer Veranstaltung in Berlin im April 2026 hat die renommierte Journalistin und […]

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