Gesellschaft

Die wundersame Drohne von Gleipzig

Früher war alles besser. Dieses fragwürdige Diktum wurde in jenem Früher eher alternden Konservativen zugeordnet. Inzwischen zwingt der intellektuelle Verfall des politischen und medialen Personals dazu, den Blick darauf zu weiten. Das gilt insbesondere für die Art, in der »russische hybride Angriffe« zur Erreichung der Kriegstauglichkeit präsentiert werden.

VON ARTUR ASCHMONEIT


Die Geschichte der Erfindung von Kriegsgründen ist lang. Sie begann nicht mit dem »polnischen Überfall auf den Sender Gleiwitz« und endete nicht mit McNamaras »Tonkin-Zwischenfall«, Scharpings »Hufeisenplan« oder Powells »Massenvernichtungswaffen im Irak«.

Diese Vorwände kamen anfangs halbwegs seriös daher und erlangten, hochprofessionell medial begleitet, eine gewisse Glaubwürdigkeit. Im Gegensatz dazu zeichnen sich die heutigen Beschuldigungen Russlands durch Stupidität und handwerkliches Ungeschick aus, die ausschließlich über die permanente Wiederholung wirken.

Wie auf anderen Politikfeldern nutzt die Meinungsbildung zwei Mechanismen. Der eine ist die Etablierung von »Experten«, deren Herkunft und Finanzierung unhinterfragt bleiben. Ihr Wort, gerne als das der Wissenschaft ausgegeben, hat zu gelten, ob es um Lockdowns, Rentenkürzungen oder Sicherheit geht. Diese Blase, das ist die zweite Technik, referenziert sich ständig selbst und nimmt ihre Prophezeiungen als Begründung auf. Russische Angriffe werden belegt damit, dass Experten vor russischen Angriffen warnen. So, wie es Epidemien gibt, weil die WHO vor ihnen warnt.

Die Absurdität wird erkennbar, wenn man sich die Storys der vermeintlichen Drohnenangriffe genauer ansieht. Wegen derart hanebüchener Geschichten wurden Konsulate und Kulturinstitute geschlossen und noch die letzten Reste von Diplomatie zerschlagen.

Der Vorfall am Leipziger Flughafen ist ein Paradebeispiel dafür, wie Nachrichten- und Faktenlage einem ständigen Wandel unterlagen.

Drohne Nr. 1

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