Es ist Krieg, aber wir – schlafen, noch!
Wir – schlafen in unseren Betten! Wir hören keinen ohrenbetäubenden Krach von Bomben und wir sterben nicht durch ferngesteuerte Drohnen.
Bild von HUNG QUACH auf PixabayAber in den Reden und Entscheidungen der Politiker herrscht Krieg. Sichtbar, wie in einer Show belegen Sie, tanzend in den Parlamenten, ihren Willen zum Krieg – mit Sanktionen und Kriegskrediten. Sie geben vor – für Viele, die westliche Bevölkerung und die Welt zu sprechen. Ihr Führungsanspruch im Weltgeschehen ist das einzige, was sie, ihren momentan wichtigsten Hauptdarsteller Donald Trump nachahmend, unentwegt und bewegt, artikulieren.
Was wissen sie, was können sie wissen, um ihre Anmaßung zu rechtfertigen? Mit welcher Rechtfertigung beanspruchen sie ihre ständige göttliche Allwissenheit? Welche geheimdienstliche Göttlichkeit gestattet diesen Führern keine Fragen zu kennen? Was meinen sie zu wissen, was meinen sie sagen zu dürfen?
Russland ist unser Feind! Der Chinese wird es! Der Iran ist ein verabscheuungswürdiges Regime!
Eigenartig: Sie erklären allen alten Kulturen den Krieg!
Warum? Ist das die berühmte „kognitive Kriegsführung“? Die kognitive Kriegsführung der NATO zur Angleichung aller Gedankenwelten? Doch die ersten Opfer dieser Kriegsführung sind ihre Erfinder! Sie scheinen verliebt in ihre Feindschaften!
Russland wird ewig unser Feind bleiben, klingt es aus dem deutschen Außenministerium: Egal mit welcher Regierung, in welcher Gesellschaftsform, ob als Zarenreich, als Sowjetrepublik, als Russische Föderation, die Russen sind die liebsten Feinde deutscher Regierungen seit gut 200 Jahren.
Und die Ukraine? Sie sollte schon immer unser sein: Im 2. Weltkrieg brauchten wir die Kornkammern, heute brauchen wir die Rohstoffe. Welche Staatsform, ob Demokratie oder Diktatur die ukrainische Bevölkerung beglückt und tyrannisiert, interessiert nicht. Wie Lindsay Graham sagte: „Wir kämpfen bis zum letzten Ukrainer“.
Doch die deutsche Geschichte kennt auch andere Zeiten. Deutschland ist an der Seite Frankreichs in den Napoleonischen Kriegen nach Moskau marschiert, aber auch mit der russischen Armee, gegen die französische Besatzung, zusammen in die Völkerschlacht bei Leipzig gezogen.
Warum sind unsere europäischen Führer in Brüssel nur so versessen auf einen Krieg mit Russland und bestrafen ihre europäischen Bevölkerungen durch Sanktionen? Sitzen sie zu bequem, um das Träumen von Allmacht aufzugeben? Denken Sie ihr Europa als Imperium mit und unter dem US-amerikanischen Hegemon?
Welche Kultur schenken sie den Menschen der Europäischen Nationen? Sie sind versessen, auf ihre Leidenschaft zur Feindschaft und ihre Freiheit zu herrschen.
Die Ukraine verteidigt die Freiheit mit einem ungewählten Präsidenten, dem Verbot jeder Opposition, und dem gewaltsamen Einfangen von Männern auf der Straße, um sie zum Sterben an die Front zu schicken.
Hier scheint die Freiheit erstarrt in der New Yorker Freiheitsstatue versteckt zu sein.
Aber noch gibt es die Ukraine für uns in der westlichen Welt zur Verteidigung unserer leidenschaftlichen Feindschaften. Noch können Ukrainer unsere Drohnen tief ins russische Hinterland schicken, um zu töten. Wollen wir unseren ewigen Feind erwecken, um gegen uns zu kämpfen? Wir schlagen ihm bereits verschiedene Zeitpunkte vor: 2029 oder 2030. Spätestens jetzt müssen wir verstehen, dass unsere Regierung Opfer der Kognitiven Kriegsführung der NATO geworden ist.
Im Tunnelblick auf den geliebten Krieg kennen sie keine Diplomatie mehr, sie träumen vom Krieg gegen ein Land, das sich als Besatzungsmacht aus Deutschland zurückgezogen hat, den Warschauer Pakt auflöste und von einem gemeinsamen Europäischen Haus träumte. Aber wir, die westliche Wellt, wollten nicht mit Ihnen träumen, wir wollten sie besiegen.
Wer siegen will braucht Feinde! Wer siegen muss, spürt den Schmerz des Angriffs.
Seit 2014 wurde die Ukraine in einen Bürgerkrieg gegen die russische Bevölkerung geschoben. Die USA leugnen ihre Beteiligung in keiner Weise, denn der Anspruch auf Hegemonie wird immer neue Feindschaften erzwingen.
Kontrolle statt Kooperation ist eine hegemoniale Voraussetzung, und das bedeutet Krieg, weltweite Bürgerkriege oder Bombenkriege oder Schlachtfelder! Regimechange mit allen Mitteln. Diese Kehrseite westlicher Politik ist unübersehbar, denn die Ablehnung von Diplomatie heißt Krieg.
Diplomatie muss man lernen, den anderen verstehen lernen.
Aber unsere Führer müssen nicht lernen, wir sollen nicht lernen.
Warum nur soll die Menschheit ihrer wichtigsten und schönsten Fähigkeit beraubt werden? Russland verstehen lernen, wäre eine Aufgabe für Brüssel.
Stattdessen wird die Ukraine durch Zuwendung besetzt. Den Finanzhaushalt regeln Black-Rock und Rothschild. Die Kultur wird durch das Militär bestimmt. Die Umbettung ihrer nationalsozialistischen Führer „Heim ins Reich“ ist ein geschichtsvergessener, entsetzlicher Ausdruck dieses Bezugs zum deutschen Faschismus.
Statt Interessenausgleich mit Russland zu suchen bestreitet der ukrainische Armeeführer Michail Drapaty jede Existenzberechtigung Russlands und auch der russischen Bevölkerung in der Ukraine. Das ist eine indirekte Weiterführung des 2. Weltkrieges.
Diese Form der Russophobie ist der wichtigste Rassismus des beginnenden 21. Jahrhunderts. Gepredigt als ewige Feindschaft durch europäische und US-amerikanische Regierungsbeamte unter besonderem deutschem Einsatz kämpft die Ukraine für die westliche Freiheit, zu herrschen. Diese Freiheit zur Macht ist dann Willkür!
Auch die Zerstörung von Zivilisationen durch willkürlich inszenierte Kriege, ist aus der Geschichte hinlänglich bekannt. Die US-amerikanische und die israelische Geschichte sind gegenwärtige Beispiele für Nation-building zu Gunsten kriegerischer Siedlergemeinschaften.
Sind wir zur Wiederholung unserer Geschichte auf diese platte Weise wirklich gezwungen? Dürfen und können wir nichts gelernt haben? Die europäische und US-amerikanische Kolonialgeschichte mit den bekannten Allmachtsphantasien und ihren kriegerischen Folgen nimmt kein Ende. Wollen wir wirklich diesem Wahn gegen das Leben folgen?
Warum scheint Kooperation so schwierig für die westliche Welt? Warum muss diese Europäische Union und ihre Kommission wissen und bestimmen, wie Menschen Bfühlen, denken, leben sollen?
Es ist interessant zu beobachten, wie wirtschaftliche, kulturelle Bedeutungslosigkeit der Europäischen Union, umgekehrt korreliert zu den Ansprüchen aggressiver Allmacht durch Kriegstüchtigkeit.
Es gibt aber auch Momente des Verstehens, der Aufrichtigkeit in „unserer“ Demokratie.
Ich möchte einen Moment aus der Rede des deutsch-iranischen Schriftstellers Navid Kermani während der Feierlichkeiten zur Vereidigung von Bundeswehr-Rekruten im Bendlerblock in Berlin am 20. Juli dieses Jahres vortragen:
„Kein geringerer als der Bundeskanzler hat es sich zur Gewohnheit gemacht, das Völkerrecht klein- und Völkerrechtsverstöße schönzureden, wo es ihm politisch opportun erscheint. Aber die Drohung, eine gesamte Zivilisation auszulöschen oder der erklärte Angriff auf die zivile Infrastruktur eines Landes, sind ein so offenkundiges Unrecht, dass man weder Jurist sein noch das eigene Gewissen befragen muss, um es zu erkennen. Wenn ausgerechnet die Bundesregierung sich damit hervortut, das Völkerrecht für nachrangig zu erklären oder ausgerechnet ein deutscher Bundeskanzler als einziger westlicher Staatsführer die Drohung des amerikanischen Präsidenten verteidigt, eine gesamte Zivilisation auszulöschen, ist das nicht nur für unser Ansehen verheerend. Die Relativierung des Völkerrechts von höchster Stelle ist auch ein fatales Signal für unsere Demokratie: Denn wenn die Herrschaft des Rechts in unseren Außenbeziehungen erodiert, wird es nicht lange dauern, bis sie auch im Innern verächtlich gemacht wird.
Liebe Rekrutinnen und Rekruten, Sie stehen am Anfang einer womöglich langen
Laufbahn in der Armee. Es ist unwahrscheinlich, dass die nächsten Jahrzehnte so friedlich bleiben, wie es die letzten Jahrzehnte für Deutschland alles in allem waren. Sollte eine künftige Bundesregierung Sie in einen Krieg führen wollen, der so offenkundig völkerrechtswidrig und auch politisch desaströs ist wie der jüngste Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen Iran, dann wird es Ihre Pflicht sein, den Befehl zu verweigern.“ Soweit Navid Kermani.
Doch diese Mahnung für die Rekruten der Bundeswehr gilt nicht nur für die Soldaten und Soldatinnen, sondern auch für jeden verantwortungsvollen Bürger Deutschlands. Wir alle dürfen nicht in unserem Namen Morden lassen. Sagen wir NEIN zum Krieg!
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Gabriele Gysi (80), Schauspielerin und Autorin
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