Ostfronttüchtigmachung
Deutsche Rüstungskonzerne mit dunkler Vergangenheit statten Kiewer Neonazimilitärs mit Waffen aus, die Bundeswehr ignoriert historische Imperative ihres Traditionserlasses. Das sind Folgen der wachsenden Verflechtung zwischen den militärisch-industriellen Komplexen Deutschlands und der Ukraine für die Vorbereitung des nächsten großen Krieges in Europa.
VON SUSANN WITT-STAHL
Deutsche Waffen sorgen regelmäßig für Erfolgsmeldungen der Kiewer Truppen von der Front gegen Russland. »1.200 Schuss pro Minute« titelte die ukrainische Medienplattform Shotam bereits im Juni 2022 und würdigte weitere Vorzüge des MG3 von Rheinmetall, Nachfolger des berühmten MG42 aus dem Zweiten Weltkrieg und seit den 1960er Jahren Standardmaschinengewehr der Bundeswehr (es wird gegenwärtig durch das MG5 abgelöst): Fliegerabwehrtauglichkeit, Verwendbarkeit für Fahrzeuge wie Panzer und geeignet für NATO-Munition, die für gute Ballistik bekannt ist, etc. Tatsächlich findet sich in der – auf Veranlassung der Merz-Regierung seit 17. April 2025 nicht aktualisierten – Liste der Waffen- und Ausrüstungslieferungen aus Beständen der Bundeswehr und durch die Industrie, die aus Mitteln der deutschen »Ertüchtigungshilfe« finanziert werden, der Eintrag »158 MG3 für Leopard 2, Marder und Dachs« sowie »110 Maschinengewehre MG3 mit 500 Ersatzrohren und Verschlüssen«.
Was von der Bundesregierung und deutschen Medien hingegen nicht zu erfahren ist, aber von Shotam stolz berichtet wurde: Die »Asow«-Special-Operation-Forces – Vorläufer der 3. Sturmbrigade, der bekanntesten Neonazitruppe der Ukraine, die heute das Rückgrat des 3. Armeekorps bildet – wurden mit dem MG3 ausgerüstet. Ein Video zeigt eine »Asow«-Einheit unter dem Befehl von Maxim Schorin im Kampfeinsatz mit dem MG3 bei Saporischschja. Schorin war Mitglied des »Patriot der Ukraine«, des paramilitärischen Arms der neonazistischen Organisation »Sozial-Nationale Versammlung«, die sich programmatisch an der NSDAP orientierte. Später war er Führungsfigur der Partei »Nationales Korps« der »Asow«-Bewegung, heute ist er Vizekommandeur des 3. Armeekorps.
Die 3. »Asow«-Sturmbrigade ist längst umfangreich ausgestattet mit deutschen Waffen. Das zeigen etwa im April 2025 veröffentlichte Fotos von ihren Kriegern mit dem Schnellfeuergewehr HKG3 des Rüstungsproduzenten Heckler & Koch, bis 1997 Standard der Bundeswehr. Im März 2026 bot die »Asow«-Sturmbrigade sogar für Zivilisten eine siebentägige Aufklärer-Ausbildung mit Einführung in die Bedienung von Handfeuerwaffen des deutschen Herstellers Haenel sowie Heckler & Kochs Sturmgewehr HK416 an. Auch »Asows« 12. Spezialbrigade des 1. Korps der Nationalgarde schießt mit Gewehren von Heckler & Koch.
Dessen HK433 gehört zum Arsenal des Sabotagebataillons »Bratstwo« (Bruderschaft) der Spezialeinheit »Tymur« des ukrainischen Militärgeheimdienstes. Die »Armee Gottes« genannte »Bruderschaft« fundamentalistischer Christen wurde 2022 von Dmitro Kortschinskij, dem Ex-Vorsitzenden der faschistischen Partei »Ukrainische Nationalversammlung« und deren bewaffneten Arms »Ukrainische Nationale Selbstverteidigung« (UNA-UNSO), aufgestellt. UNA-UNSO-Mitglieder haben bereits 1994 bis 1996 im Ersten Tschetschenienkrieg mit ihrem Bataillon »Wiking« und 2008 im Kaukasuskrieg gegen Russland gekämpft. Korschinskij ist ein Faschist der ersten Stunde seit der Unabhängigkeit der Ukraine – sein Credo: »Schau dir die Welt an, triff neue Leute und kill sie!« Zum Tag des Sieges der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg am 9. Mai 2026 lobpreiste er in den sozialen Medien Hitlers Wehrmacht: »Ehre den siegreichen deutschen Soldaten! Solche gibt es in Deutschland heute nicht mehr.«
VON SUSANN WITT-STAHL Deutsche Waffen sorgen regelmäßig für Erfolgsmeldungen der Kiewer Truppen von der Front gegen Russland. »1.200 Schuss pro Minute« titelte die ukrainische Medienplattform Shotam bereits im Juni 2022 […]