Globales

Militarisierung der Republik - Teil 1

Folgen und Gefahren von »Zeitenwende« und »Kriegstüchtigkeit« für Zivilgesellschaft, Sozialstaat, Verfassungs- und Völkerrecht (Teil 1) 

VON ROLF GÖSSNER

Aufrüstungspolitik zulasten sozialer Belange und künftiger Generationen

Seit Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 und der Ausrufung der »Zeitenwende« durch SPD-Bundeskanzler Olaf Scholz erleben wir eine zuvor kaum vorstellbare, zunehmend eskalierende Militarisierung von Politik, Staat und Gesellschaft. Es begann mit einem enormen Aufrüstungsprogramm für die Bundeswehr mithilfe eines Fake-»Sondervermögens« – korrekt sind das ja Sonderschulden – von 100 Milliarden Euro, eigens im Grundgesetz abgesichert. Und im März 2025 wurde dies noch getoppt mit einem gigantischen »Finanzpaket« der sich damals abzeichnenden neuen CDU/SPD-Bundesregierung unter Mithilfe der Grünen – beschlossen von einem bereits abgewählten Bundestag. Diese Entscheidung bedeutet die Aufhebung der im Grundgesetz verankerten Schuldenbremse speziell für Militär- und Verteidigungsausgaben, für Zivilschutz, Geheimdienste und Cybersicherheit. Und dies ohne Kredit-Obergrenze und voll zulasten sozialer Belange und künftiger Generationen.

Und im Juni 2025 haben sich die Mitgliedstaaten der NATO, auf Erpressungsdruck von US-Präsident Donald Trump, darauf geeinigt, ab 2035 fünf Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auszugeben. Für die Bundesrepublik könnte dies fast die Hälfte des Bundeshaushalts bedeuten – nämlich ca. 225 Milliarden Euro jährlich.[1] So will CDU-Bundeskanzler Friedrich Merz zugleich sein erklärtes Ziel erreichen, aus der Bundeswehr die »konventionell stärkste Armee Europas« zu machen und damit Deutschland zur militärischen Führungsmacht – womöglich auch noch mit atomarer Teilhabe. Und tatsächlich rückte die Bundesrepublik bereits 2024 hinsichtlich der Rüstungsausgaben im weltweiten Vergleich erstmals nach den USA, China und Russland auf Platz 4 und damit in Europa auf Platz 1.[2] Laut NATO-Beschluss sind die künftigen 5 Prozent des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts aufgeteilt in 3,5 Prozent »harte« Rüstungsausgaben wie etwa für Panzer, Raketen, Kampfflugzeuge und 1,5 Prozent verteidigungsrelevante Ausgaben für Infrastrukturmaßnahmen wie Straßen, Schienen, Brücken, Digitalisierung usw.

Diese kolossale Aufrüstung wird mit der starken Bedrohung vonseiten Russlands begründet, das bereits über vier Jahre lang einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt und, so die vorherrschende Sicht, auch nicht vor Angriffen auf Europa- und NATO-Staaten zurückschrecke. Angesichts dieser angenommenen Bedrohungslage hier kurz ein aufschlussreicher Kräftevergleich: Die 32 NATO-Staaten gaben bereits im Jahr 2024 rund 1,5 Billionen US-Dollar (etwa 1,4 Billionen Euro) für Militär und Verteidigung aus.[3] Russland gibt etwa 150 Milliarden US-Dollar aus. Für die NATO werden bis 2035 insgesamt rund 2,5 Billionen US-Dollar zusammenkommen. Das bedeutet: Die NATO ist Russland militärisch – hinsichtlich Militärausgaben, Truppenstärken und Ausrüstung – weit überlegen und weitet den Vorsprung noch enorm aus, selbst wenn man »nur« die 23 europäischen NATO-Staaten berücksichtigt. Deshalb kommt auch eine Studie von Greenpeace schon Ende 2024 zu dem Ergebnis: »Die Notwendigkeit, in Deutschland die Militärausgaben weiter und dauerhaft zu erhöhen und dabei […] andere essenzielle Bereiche wie Soziales, Bildung oder ökologische Transformation nicht ausreichend zu finanzieren«, ließe sich angesichts dieses Kräfteverhältnisses keinesfalls rechtfertigen.[4]

1779034029

Folgen und Gefahren von »Zeitenwende« und »Kriegstüchtigkeit« für Zivilgesellschaft, Sozialstaat, Verfassungs- und Völkerrecht (Teil 1)  VON ROLF GÖSSNER Aufrüstungspolitik zulasten sozialer Belange und künftiger Generationen Seit Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 […]

DIESER ARTIKEL IST EIN PREMIUM-INHALT.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, schalten Sie ihn bitte frei:

Diesen Artikel für 0,85 € bestellen.

Bereits gekauft? LOG IN

Drucken

Drucken

Teilen

Voriger Artikel Kriege Kriegsverbrechen als Routine
Nächster Artikel Kriege Von der Ukraine zum Iran