Kriege

Von der Ukraine zum Iran – Auf dem Weg in den dritten Weltkrieg?

VON PETER GÄRTNER

Am 9. März 2026 rief US-Präsident Donald Trump seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin in Moskau an, um zwei Themen mit ihm zu besprechen – den seit mehr als vier Jahre währenden Krieg in der Ukraine und den Krieg im Iran, den die USA und Israel am 28. Februar vom Zaun gebrochen hatten. Neben der Tatsache, dass die Initiative für das einstündige Telefonat von Trump ausgegangen war und das letzte Gespräch zwischen den beiden am 29. Dezember 2025 stattgefunden hatte, sind vor allem drei Aspekte hervorzuheben: Erstens war das bisherige Thema Nummer eins – die Ukraine – zugunsten des neuen Krieges im Iran an die zweite Stelle gerückt; zweitens zeigt sich, dass der russische Präsident seine Position deutlich stärken konnte; drittens sind die neuen Gestaltungsmöglichkeiten Putins nur zu erklären, wenn die Verzahnungen beider Konflikte angemessen erfasst und begriffen werden.[1] Will man die Tiefe und Reichweite der Zäsur vom 28. Februar ermessen, die diesen drei Aspekten zugrunde liegt, führt kein Weg an einem Vergleich des neuen Krieges im Iran mit dem Ukraine-Konflikt vorbei.

Was ist neu?


In beiden Fällen handelt es sich um einen Abnutzungskrieg, wobei dieser Aspekt beim Iran schon wenige Tage nach Ausbruch des Krieges deutlich wird, während diese Phase in der Ukraine erst nach mehreren Monaten beginnt. Die Eskalation des Krieges besitzt im Iran-Krieg von Anfang an eine größere Brisanz. Dies lässt sich anhand der Gefahr einer Ausweitung zu einem dritten Weltkrieg gut illustrieren. Diese ist in beiden Fällen vorhanden, wobei auch hier wichtige Unterschiede zu beachten sind. Bei der Ukraine hat sich diese Gefahr schrittweise aufgebaut und war besonders in der Endphase der Biden-Administration akut. Mit der Übergabe des Präsidentenamtes an Donald Trump und seiner Ankündigung, den Ukraine-Krieg möglichst schnell durch Verhandlungen beenden zu wollen, rückte die Möglichkeit eines nuklearen Weltkriegs zunächst in den Hintergrund. Erst mit dem Eskalationskurs der NATO-Europäer gegenüber Russland ist sie wieder gestiegen. Obwohl das Kräfteverhältnis eindeutig zugunsten Russlands ausfällt, stellt das irrationale Verhalten der transatlantischen Eliten Europas Moskau vor ein Abschreckungsdilemma. Da das »Trio Infernale« – der britische Premier Keir Starmer, der französische Präsident Emmanuel Macron und der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz – trotz wiederholter Warnungen Russland weiterhin provoziert, steht die russische Führung vor dem Problem, wie sie dennoch eine glaubwürdige Abschreckung herstellen kann.[2]

Ungeachtet dessen ist die Situation im Iran weitaus gefährlicher. Wenn ausgewiesene Experten wie Michael Hudson und Jeffrey Sachs im dortigen Konflikt den Beginn oder die Vorstufe eines dritten Weltkrieges zu erkennen glauben, dann sind diese Warnungen sehr ernst zu nehmen.[3] Woraus ergibt sich diese Gefahr? Während ein regionaler Konflikt zwischen NATO und Russland im Fall der Ukraine zwar möglich, aber (noch) nicht ausgebrochen ist, stellt sich dies für Westasien anders dar: »Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran wurde 2026 faktisch zu einem regionalen Konflikt mit direkter Beteiligung einer Weltmacht und mit dem Risiko globaler Folgen.«[4] Ausschlaggebend für die unterschiedliche Eskalationsdynamik sind die Motive und der Charakter der Kriegsführung seitens der involvierten Nuklearmächte. Russland sieht im Krieg gegen die Ukraine den letzten Ausweg, um seine existenzielle Gefährdung durch die NATO-Ostexpansion abzuwehren, während die USA ihren Krieg gegen ein Land führen, das deren nationale Interessen in keiner Weise gefährdet.

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