Öl für Krieg – Krieg für Öl
Endloser Krieg gegen die Souveränität einer Region
VON KARIN LEUKEFELD
Der US-israelische Angriff gegen Iran ist die Spitze eines Eisbergs. Hier kommt zusammen, was der heute US-geführte Westen seit mehr als 100 Jahren in der Region will. Es geht um die Kontrolle von Rohstoffen, von Öl und Gas. Es geht um die Kontrolle von Häfen und Transportwegen am Persischen Golf und im Roten Meer, es geht um den Suezkanal und um das Mittelmeer. Die vor den Küsten Syriens, des Libanon, Israels und Gazas im östlichen Mittelmeer ungehobenen Schätze an Öl und Gas können noch weitere Kriege anfachen.
Um die Kontrolle über Rohstoffe und Transportwege für den US-geführten Westen sicherzustellen, werden die Länder der Region an einer souveränen staatlichen und gesellschaftlichen Entwicklung gehindert. Internationale Organisationen wie der Völkerbund (1920–1946) und die Vereinten Nationen (seit 1945) wurden und werden benutzt, um die westlichen imperialen Pläne völkerrechtlich zu legitimieren. Die Blockbildung nach dem Zweiten Weltkrieg ließ neuen UN-Mitgliedstaaten Raum für eigene Entwicklung. 1961 entstand die »Bewegung der Blockfreien Staaten«, der (bis heute) 120 Staaten angehören. In der UN-Vollversammlung nehmen diese Staaten etwa zwei Drittel der Sitze ein. Sämtliche Staaten Afrikas und Westasiens einschließlich Pakistan und Indien waren und sind Mitglieder der Blockfreien Staaten. Der einzige Staat in Westasien, der nicht dazu gehörte und gehört, ist Israel.
Nach 1945 federten UN-Friedens- und Hilfsmissionen die Folgen der gewaltsamen Einmischungen und Landnahme zwischen östlichem Mittelmeer und Persischem Golf ab. Die langjährigen kolonial-imperialistischen Erfahrungen wurden von den Briten und der US-Hegemonialmacht genutzt, um die jeweiligen wirtschaftlichen und politischen Machtstrukturen für die eigenen Interessen einzubinden.
Wer sich dem Hegemon beugte, konnte von der neuen Macht profitieren. Wer sich widersetzte, wurde kriminalisiert und bekämpft. Für die örtliche Bevölkerung wurde mit »Soft Power« eine Kulisse zivilgesellschaftlichen Engagements aufgebaut. Was von vielen als Möglichkeit selbstbestimmter Aktivitäten begrüßt wurde, diente allerdings dem Ziel, die Gesellschaften kulturell, mit westlichen Werten und politischen Vorstellungen zu durchdringen. Wenn die einen profitieren und die anderen angegriffen werden, zerstört das den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Bester Bündnispartner dieses zunächst britisch und heute US-gesteuerten hegemonialen Projekts war und ist Israel. Dieser 1948 gewaltsam gegründete Staat ist aus der Idee der zionistischen Nationalbewegung im 19. Jahrhundert entstanden, eine »jüdische Heimstatt in Palästina« zu errichten. Palästina und Bilad al-Sham (Syrien) und alle arabischen Provinzen des zerfallenen Osmanischen Reiches wurden 1916 im Ersten Weltkrieg von Großbritannien und Frankreich mit dem geheim ausgehandelten »Sykes-Picot-Abkommen« zerteilt. Die »jüdische Heimstatt« entwickelte sich rasch im palästinensischen Mandatsgebiet mit britischer Unterstützung, wie es in der »Balfour-Erklärung« (1917) der zionistischen Nationalbewegung versichert worden war.
Als die arabisch-palästinensische Bevölkerung sich in den 1930er Jahren gegen die wachsende Besiedlung ihres Landes durch jüdischen Siedler aus Europa auflehnte, wurde sie von der britischen Mandatsmacht gemeinsam mit der jüdischen Siedlerpolizei blutig niedergeschlagen.
Israel wurde nach 1948 von Großbritannien, Frankreich, den USA und schließlich auch von Deutschland aufgebaut, aufgerüstet, aufgewertet und ist seitdem in die politischen, wirtschaftlichen und militärischen Strukturen von USA, EU und NATO fest eingebunden. Israel wird von ihnen finanziert, bewaffnet, wirtschaftlich und politisch unterstützt, weil es tut, was seine Geldgeber wollen: Es setzt mit Kriegen und Krisen die Kontrolle Westasiens, von Rohstoffen, Land- und Seewegen gegen die Rechte und Interessen der ursprünglichen Bewohner der Region durch. US-Vertreter und EU-Länder können sich dann als die »guten« Vermittler oder Helfer für Palästinenser, Syrer, Libanesen und andere ins Spiel bringen.
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