Selbstverschuldete Entmündigung
Gedanken zur eigenen Mitwirkung am Aufbau einer technokratisch-totalitären Herrschaft
VON MAGDA VON GARREL
Die teilweise schon vor vielen Jahren in Gang gesetzten Transformationsprozesse laufen tendenziell auf eine vollständige Entmündigung der Bevölkerungsmehrheit hinaus. Umso wichtiger ist es, sich die eigenen Anteile an dieser Entwicklung bewusst zu machen.
Frühe Formen der Anpassungsbereitschaft
In einem schon etwas älteren Artikel zu diesem Thema standen die Bereiche Konsum, Dienstleistung, Gesundheit und Währung im Mittelpunkt der Betrachtung.[1] Dabei konnte nachgewiesen werden, dass anpassungsbereites Verhalten bereits vor Jahrzehnten praktiziert worden ist. Die damaligen Anpassungen erfolgten sowohl in Form einer Übernahme der in vielen Sektoren (Einzelhandel, Post, Bahn, Banken und Gesundheitswesen) abgebauten Dienstleistungen als auch in Form einer stillschweigenden Hinnahme der durch zahlreiche Schließungen verursachten Verödung von Städten und Dörfern.
Während ältere Menschen in Anbetracht ihrer noch vorhandenen Vergleichsmöglichkeiten die in Gang gesetzten Entwicklungen eher unfreiwillig unterstützten, sah es bei den nachfolgenden Generationen oft schon ganz anders aus. Das zeigte sich beispielsweise beim Umgang mit den digital eröffneten Möglichkeiten zur eigenen Überwachung von Körperfunktionen und -werten, die von den jungen Menschen ähnlich eifrig wie die neu geschaffenen Kommunikationswege genutzt wurden.
Aktuellere Formen der Anpassungsbereitschaft
Inzwischen gibt es schon mehrere Bereiche, in denen sich die Generationen hinsichtlich ihres unterstützenden Verhaltens einander angenähert haben. Das betrifft nicht zuletzt die größer gewordene Bereitschaft, sich dem bargeldlosen Zahlungsverkehr anzuschließen.
Eine vermutlich noch größere Übereinstimmung dürfte sich aus der Markteinführung der auf generativer KI beruhenden Chatbots ergeben haben. Schüler und Studenten nutzen die Chatbots für die Erledigung diverser Aufgaben, zahlreiche Erwachsene erschaffen sich mit ihrer Hilfe künstliche Traum- und Gesprächspartner, unsichere Teenager lassen sich Schmink- und Modetipps geben, auf seelischen Beistand Hoffende suchen therapeutischen Rat und so weiter.
Die meisten Nutzer sind so überwältigt von den neu eröffneten Möglichkeiten, dass sie sich ein Leben ohne Chatbots schon gar nicht mehr vorstellen können und/oder wollen. Auch berufliche Nutzer (wie beispielsweise Juristen, Architekten, Ärzte oder Wissenschaftler) empfinden die Chatbots als sehr hilfreich, weshalb der Gedanke, dass es sich bei der Inanspruchnahme der neuen Erfindung ebenfalls um eine sich selbst entwertende Zuarbeit handeln könnte, recht fern zu liegen scheint.
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