Feuilleton

Wer die Wahrheit ans Licht bringt, braucht ein schnelles Pferd

EINE KOLUMNE VON MATHIAS BRÖCKERS

»Wer die Wahrheit ans Licht bringt, braucht ein schnelles Pferd« – und, so wird die armenische Weisheit gern ergänzt – »eine Stunde Vorsprung«. Die hatte ich vor 25 Jahren, als Informationsvorsprung im Internet, das damals als Recherchetool und Publikationsorgan noch ziemlich in den Kinderschuhen steckte. Als meine auf Netz-Recherchen basierenden Kolumnen, die vom 13. September 2001 an unter dem Titel »The WTC-Conspiracy« im Online-Magazin telepolis erschienen waren, im Frühjahr 2002 in erweiterter Form als Buch schon druckfertig waren, rief mich der Zweitausendeins-Verleger Lutz Kroth an: »Mathias, du solltest noch ein Vorwort schreiben.« – »Wieso? Es gibt doch schon eines.« – »Ja. Dann ein Vor-Vorwort, das den Lesern erklärt, was eine Suchmaschine ist und wie man sie bedient. Das wissen die Leute einfach nicht.« Unter dem Titel »Zweimal täglich googeln« schrieb ich dann, wo und wie man im World Wide Web am besten Informationen sammelt. Doch die freundliche, web-pädagogische Hilfestellung gereichte mir bei den Kritikern nicht zum Vorteil. Meine Quellen wurden durchweg als »unseriös«, »dubios« und »lachhaft«, weil »nur bei Google recherchiert« eingestuft, obwohl mehr als 90 Prozent der angegebenen Links auf bekannte »seriöse« Medien verwiesen. Dass das Internet ein Übermedium ist, in dem alle anderen Medien erreichbar sind, hatte der »Holzjournalismus« 2001 schlicht noch nicht verstanden und verkaufte das WWW als Drohkulisse für die garantierte Unseriösität gefährlicher Desinformationen.

Waren die Oline-Kolumnen auf telepolis trotz millionenfacher Klicks in der sonstigen Medienwelt noch weitgehend geräuschlos durchgegangen, erhob sich mit Erscheinen in gedruckter Form ein Sturm wüster Diffamierungen, in allen Tonlagen. Von der knackigen BILD (»Irre! Krank! Absurd!«) zum gehobenen Feuilletongedöns der Zeit (»pervertierte Schwundform von Theodizee«). Erst als die ungeheuren Ungereimtheiten und Widersprüche der offiziellen Version gedruckt schwarz auf weiß vorlagen, wurden sie zum Skandal, oder richtiger: nicht die offenen Fragen und ungeklärten Hintergründe des Massenmords wurden zum Skandal, sondern der Überbringer dieser Botschaft.

Nach der Regel, wie derlei Disqualifikation in Deutschland abläuft – und die mein einstiger taz-Kollege Wiglaf Droste einmal auf den Punkt brachte: »Wer zuerst Auschwitz sagt, hat gewonnen!« –, hatte mir der damalige Spiegel-Autor Henryk M. Broder schon gleich am 14. September 2001 im Radio und auf seiner Website ein »krankes Hirn« bescheinigt, das in einer Reihe mit Auschwitz-Leugnern und den »Protokollen der Weisen von Zion« stünde – und wünschte mir zum Abschluss seiner Suada den Tod als »Fettfleck an einer Hochhauswand«.

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Damit war der Kammerton der Denunziation und Diffamierung – als antiamerikanischer, antisemitischer, antirationaler »Verschwörungstheoretiker« – vorgegeben, und es half rein gar nichts, dass ich mit keinem Wort eine Theorie über […]

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