Ukraine verliert weitere Gebiete und Infrastruktur
(Diese Meldung ist eine Übernahme von multipolar)
6. Oktober 2026
Kiew / Saporischschja / Charkiw. Die russische Armee ist im Begriff, zwei strategisch wichtige ostukrainische Kleinstädte einzunehmen. In der Region Saporischschja (Russisch: Saporoschje) ist die Stadt Orichiw (Orechow) einer russischen Umfassungsoperation ausgesetzt. Laut der Darstellung des von einem weißrussischen Militärblogger betriebenen Kanals „Military Summary“ war die Kleinstadt Anfang Oktober bereits zur Hälfte von der russischen Armee eingekreist. Die Kriegsparteien würden „mehr und mehr“ Einheiten ins Zentrum der Ortschaft senden, um die jeweils gegnerische Seite zum Rückzug zu zwingen. Orichiw liegt in Stoßrichtung der Großstadt Saporischschja, mit über 700.000 Einwohnern die Hauptstadt der gleichnamigen Region.
In der Region Donezk steht die Stadt Dobropillja (Dobropolje) erheblich stärker unter russischem Druck als noch vor einigen Wochen. Der kanadische Militärblogger Alexandre Robert berichtet auf seinem Youtube-Kanal „HistoryLegends“, dass russische Truppen seit August in kleinere Ortschaften südlich der Bergbaustadt eingedrungen sind und die ukrainischen Nachschublinien abgeschnitten haben. Gleichzeitig werde die vor dem Krieg knapp 30.000 Einwohner zählende Stadt mit russischen Gleitbomben und Langstreckendrohnen angegriffen.
Nach Roberts Einschätzung standen Ende September noch 95 Prozent der Ansiedlung unter ukrainischer Kontrolle. Der Kanal „Military Summary“ berichtet, die russische Armee kontrolliere Anfang Oktober bereits nördliche, östliche und südliche Teile der Stadt. Die Bergbaustadt Dobropillja liegt nördlich der bereits Ende 2025 von der russischen Armee eingenommenen Stadt Pokrowsk (Krasnoarmeijsk). Dobropillja ist Teil der befestigen ukrainischen Verteidigungslinie um die beiden letzten unter ukrainischer Kontrolle stehenden Großstädte Slowjansk (Slawjansk) und Kramatorsk in der Region Donezk.
Zu dieser Verteidigungslinie gehört auch die 17 Kilometer nordöstlich von Slowjansk gelegene Stadt Lyman (Krasnij Liman), die bereits Ende Juni zu 95 Prozent von russischen Einheiten eingenommen worden war. Im September startete die ukrainische Armee eine Gegenoffensive im Raum Lyman und soll nach Angaben der ukrainischen Regierung 125 Quadratkilometer in der Region zurückerobert haben. Russische Quellen bestätigen den ukrainischen Vorstoß in Richtung Lyman sowie einen teilweisen Rückzug russischer Truppen.
Im nördlichen Frontabschnitt, in der Region Charkiw (Charkow), bleibt die Lage in der umkämpften Stadt Kupjansk weiterhin ungewiss. Bereits im Oktober 2025 hatten russische Einheiten die Hälfte der Ortschaft mit einer Vorkriegseinwohnerzahl von 27.000 eingenommen. Ein Jahr später hat sich an dieser Situation nach einer Analyse von Alexandre Robert kaum etwas geändert. Allerdings habe die russische Armee große Teile des Ostufers des Flusses Oskil (Oskol) eingenommen, der durch Kupjansk fließt. Die ukrainische Armee habe hingegen mithilfe kolumbianischer Söldner Geländegewinne nördlich der Stadt erzielt, berichtet der kanadische Militärblogger.
Abseits des Frontgeschehens hat Russland die Luftangriffe auf die ukrainische Infrastruktur deutlich intensiviert. Ziele sind neben Einrichtungen der Energieversorgung auch die logistische und IT-Infrastruktur des Landes. Drohnen- und Raketenangriffe erfolgen zudem auf Lokomotiven, Lastzüge und Tankstellen. Im Zentrum der Attacken stehen neue russische Geran-4- und Geran-5-Jetdrohnen, die mit einer Geschwindigkeit von bis zu 600 Kilometern pro Stunde fliegen. In den vergangenen Tagen haben russische Drohnen zudem gezielt zwei große Dnjepr-Brücken in Kiew angegriffen, die daraufhin gesperrt wurden.