Was geschieht im Iran? Ein Blick hinter die Schlagzeilen

Im Iran scheint ein bekanntes »Spiel« abzulaufen: Sanktionen von westlicher Seite verschlechtern die wirtschaftliche Situation in einem Land. Sobald das erste Ziel erreicht ist und Unruhen in der Bevölkerung tatsächlich ausbrechen, werden die »Aufständischen« von außen unterstützt und angetrieben – zum nächsten Ziel, dem Sturz der Regierung. Klar ist, dass westliche Geheimdienste aus Israel, Großbritannien und den USA im Iran schon lange »mitspielen«.

VON KARIN LEUKEFELD


Leitmedien in Funk und Fernsehen und große Tageszeitungen im deutschsprachigen Raum gelten in Sachen Berichterstattung als Instanz. Erstaunlich allerdings ist es, dass sie in der Berichterstattung über zahlreiche Krisen und Kriege ihren eigenen und auch internationalen Regeln nicht gerecht werden.

Die aktuelle Berichterstattung über das Geschehen im Iran – die eher der Hetze gegen Feinde ähnelt – ist dabei nicht das einzige Beispiel dafür, dass Medien oft nicht informieren, sondern zum Sprachrohr bestimmter Interessen werden. Das zeigt ein Vergleich mit Medien in anderen Teilen der Welt, die mehr vorhandene Quellen nutzen und über den eigenen Tellerrand hinausblicken. Sie beziehen regionale, iranische, asiatische und internationale Quellen ein, lassen Minister der iranischen Regierung und Analysten zu Wort kommen, die einen Zusammenhang herstellen, der in hiesigen Medien nicht vorkommt.

Dabei gibt es für die journalistische Berichterstattung in Deutschland Regeln: den Pressekodex[1]. Ausführlich wird darin in 16 Artikeln dargestellt, welche Regeln für journalistische Arbeit gelten. Es geht um »Wahrhaftigkeit und Achtung der Menschenwürde« und »Sorgfalt«, um den »Schutz der Persönlichkeiten, Schutz der Ehre, Religion und Weltanschauung«, um »Sensationsberichterstattung«, die vermieden werden soll, um »Diskriminierungen und Unschuldsvermutung«.

Die Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) hat verschiedene Hefte zur Medienpolitik[2] veröffentlicht, die frei erhältlich sind. Eines dieser Hefte befasst sich mit den »Grundprinzipien der Medienethik«, die mit »Wahrhaftigkeit, Privatsphäre, Nichtdiskriminierung, Achtung der Menschenwürde, Vermeidung von Sensationsmache, Quellenintegrität und Transparenz bei Interessenkonflikten« benannt werden.

In der klassischen Ausbildung lernen Journalisten, dass es bis zu sieben »W-Fragen« gibt, die für Nachrichten und in Berichten beantwortet werden sollten, um die Glaubwürdigkeit nachzuweisen: wer (hat etwas getan), was (hat er denn getan), wo (hat er es getan), wann (hat er es getan), wie (hat er es getan), warum (hat er es getan) und woher (ist die Information)? Die Frage nach der Quelle oder woher eine Information stammt, ist dabei von besonderer Bedeutung. Die Quellenprüfung[3] dient dem Wahrheitsgehalt und damit der Qualität einer Meldung oder eines Berichts. Allgemein heißt es, mindestens drei Quellen sollten einer Nachricht oder einem Bericht zugrunde liegen.

Angesichts einer chaotischen Entwicklung im Medienbereich durch soziale Medien und künstliche Intelligenz, die zu einer großen Schnelligkeit im Nachrichten»geschäft« führen, beschwören neue Lehrmeinungen, die »W-Fragen« wegzulassen.[4] Damit wird die Berichterstattung immer mehr zu einer Werbung für das, was man vermitteln will, zu Public Relation.

Hinzu kommt eine international hochkomplexe, oft unübersichtliche Entwicklung, die Hintergrundwissen und Zeit erfordert, um sie an die Öffentlichkeit zu vermitteln. In Kriegs- und Krisenzeiten kommen politische und wirtschaftliche Interessen hinzu, die zunehmend – auch in Europa – mit dem Unterdrücken anderer Perspektiven gestärkt werden sollen. Medien aus anderen Teilen der Welt werden verboten, Journalisten diffamiert, und seit einigen Monaten sollen Journalisten und Analysten von der EU-Kommission mit sogenannten »Sanktionen« zum Schweigen gebracht werden.[5]

Um das vor der Öffentlichkeit zu begründen oder zu rechtfertigen, werden sogenannte »Fakten-Checker« als besonders hochwertige Prüfinstanz eingestuft, um »Fälschungen« von »Fakten« zu unterscheiden. Die ARD hat beispielsweise ein eigenes Ressort »Faktenfinder« eingerichtet, um den eigenen Meldungen Glaubwürdigkeit zu verleihen. In Brüssel gibt es ein »DesInformations Lab«, wo unter anderem ein »Fact-checking project«[6] Standards für »Fakten« für die EU ausarbeitet. Die »Fakten-Checker« arbeiten im Auftrag ihrer Geldgeber, was sie tatsächlich in einen Interessenskonflikt bringen könnte. Wer überprüft sie?[7]

In Deutschland und Europa schein eine neue Klasse von Journalisten zu entstehen. Neben den »Fakten-Checkern« gibt es einen »privilegierten« Journalismus, bei dem ausgewählte akkreditierte Journalisten privilegierte Informationen bei der EU-Kommission, der NATO, bei der Münchner oder anderen Sicherheitskonferenzen oder bei der Begleitung von Kanzler und Ministern auf Reisen erhalten.

Fernsehanstalten und Printmedien geben sich zudem eigene Regeln, die für ihre Redaktionsangestellten gelten. So legte die ARD im Oktober 2023 zur »internen Nutzung« ein »Glossar zur Berichterstattung im Nahostkonflikt«[8] auf, wo für Mitarbeiter und Korrespondenten eine Sprachregelung festgelegt wurde. Das 44 Seiten umfassende Glossar erschien am 18. Oktober 2023, zehn Tage nach dem Angriff palästinensischer Milizen auf israelische Dörfer östlich des Gazastreifens. Am gleichen Tag noch begann Israel einen mehr als zwei Jahre dauernden Vernichtungskrieg gegen die Bevölkerung des palästinensischen Küstenstreifens.

»Faktencheck«, Sprachregelungen und privilegierter Journalismus haben besonders in Kriegs- und Krisenzeiten Hochkonjunktur, denn die öffentlich zugängliche Information wird stark von Interessen der Regierungen, Unternehmen, von Herrschenden und herrschenden Bündnissen geprägt. Wenn Medien und Berichterstatter sich von den herrschenden Interessen nicht deutlich distanzieren oder diese Interessen mit anderen Perspektiven ergänzen, wird Information zur Propaganda. [Hervorhebung durch die Redaktion.]

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